Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 28)
- Language
- German
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Maimuni und; die arabischen Einheitslehrer 129 wörtlich nimmt,, also manchen der ״wahren Weisen"' irrige Mei״ nungen zutraut, verstößt damit nach ihm noch nicht gegen die Grundlehren der Religion. Auch für Maimuni ist der Talmud weltanschaulich nicht unfehlbar: das zeigt sein Brief nach Mar״ seille144 und seine nicht ganz seltenen Abweichungen von weltanschaulich bestimmten Halachot145. Der Ausgleich zwi״ sehen der Meinung der Talmudisten und der Wissenschaft ist daher gar nicht immer möglich und nicht grundsätzlich not״ wendig. Ganz anders steht es mit Anthropomorphismen der Thora, deren Unfehlbarkeit für Maimuni nicht nur feststeht, son״ dem zu den Wurzeln des Glaubens zu rechnen ist. Wer solche Thorastellen naiv mißversteht, ist daher nach ihm auch dann aufzuklären, wenn er selbst sich in seinem Irrtum wohl fühlt. Die psychologische Möglichkeit zu solcher Aufklärung folgt daraus, daß nach Maimuni — im Gegensatz zu Bachja146 — der Anthropomorphismus nicht auf der Unfähigkeit der Menge, sich Geistiges vorzustellen, beruht, sondern auf ihrer Haftung an der Gewohnheit: man versteht die Ausdrücke der Bibel un״ überlegt im landläufigen Sinn147. Die Losreißung der Masse vom Gewohnten ist gewiß nicht leicht, aber nicht ausge״ schlossen. Von hier aus ergaben sich erhebliche Abweichungen vom Standpunkte der Philosophen hinsichtlich der Aufklärung des 144 Kobe® II 24 ff. über Astrologie. 145 I. F i n k e li s c h ere r, Mose Maimunis Stellung zum Aber״ glauben! und zur Mystik 1894, 40; 47r 3; 89ff.; Schwarz, Der Mischne Thora 73 f.; Bergman n o. S. 92ff, Daß er in, der philologischen! Erklärung der Mischna bisweisen vom Talmud ab weicht, ist nicht von weltanschaulicher Bedeutung (D. Haffmann Magazin für die Wissenschaft dl Judl IV 117). 146 Dl Kaufmann, Ges. Schriften II 75 f. 147 More I 53 Anf. Nach I 31 hat noch Alexander von Aphrodisias gegen diese Quelle des Irrtums nicht zu kämpfen brauchen; das ist auf« fällig, da der Kampf gegen die aowjfreuz als Quell religiöser Irrtümer antik ist (Munk z. St.; Adler im Index zu den Stoikerfragmenten s. v.); M. meint nicht, daß es damals noch keine autoritativen Religionsschriften gab (Leo Strauß 46); das Neue liegt vielmehr darin, daß man erst jetzt (auf dem Boden der Bibelrelii'gionen) bildliche Wendungen unter dem Ein״ fluß des alltäglichen Sprachgebrauches mißdeutet; wer Homers Erzäh״ hmg vom Kopfnicken des Zeus wörtlich nahm, ließ sich nicht diurch Ge״ wohnheit beirren> sondern verstand sinngemäß. Monatsschrift, 79. Jahrgang 9