Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 127 (sequence 26)
- Language
- German
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Maimuni und die arabischen Einheitslehrer 127 aller in die Metaphysik, d. h. also in die wissenschaftliche Lehre von Gott, nach More I 34 die Schwierigkeit des Gegenstandes, die geistige Unreife der jugendlichen Menschen, die Unerläßlichkeit von Vorkenntnissen, der Mangel an sittlicher Reife und die Ablenkung vieler durch die Sorgen des Alltags139. Besonderes Gewicht legt er auf die sittliche Unreife. An die Neuplatoniker anknüpfend140, fordert er in der Einleitung in die Mischna141 geradezu die Ertötung des Fleisches als Voraus- Setzung echter Hingabe an das Geistige. Denn das landläufige Haften an dem Sinnlichen führt dazu, daß sich die Menge nur sinnliche Belohnungen leibhaftig vorstellen kann und daß daher nur solche auf sie wirken können. Deshalb bedarf sie nach ihm, wie nach Ibn Sina und nach Poseidonios, des Glaubens, daß Gott dem Zuwiderhandelnden zürnt, obwohl doch streng genommen nach ihm von Affekten Gottes gar nicht geredet werden darf142. Nach der Einleitung zu Cheleq gibt es drei Auffassungen über die Verheißung von Belohnungen: die einen nehmen sie sinnlich, die zweiten geistig; die wenigsten stehen auf der Stufe Vater Abrahams, der Gott nur aus Liebe, ohne Erwartung eines Lohnes diente. Das ist genau die Auffassung Ibn Sinas, nach welchem ״Mohammed die Beduinen zivilisieren wollte und ihnen daher die Auferstehung des Fleisches predigte: was rein geistige Seligkeit ist, hätten sie nicht verstanden. Mit ihnen stimmen die Asketen insoweit überein, als auch sie mit Rücksicht auf himmlische Belohnung handeln. Höher als die Menge und die Frommen stehen aber die wahren Gottes- Verehrer in geistiger Liebe. Dies Geheimnis soll man jedoch der Menge nicht offenbaren"143. Diese Schlußfolgerung billigt 139 Über deren Bedeutung: vgl. auch III 27 Mitte; Platon Phdln. 64 D. Den antiken Gedanken von der Annäherung an Gott in der Sterbestunde, da Körper und Welt keine Wirkung mehr üben (z. B. Cic. Div. I 64 f.)7 den schon Philon Vita Mos. II 288 auf den scheidenden Moses angewendet hatte, kombiniert Maimuni More III 51 Ende sehr fein mit der rabbinischen Vorstellung der מיתה בנשיקה» 140 Vgl. Gabiiroi‘ Meqor ch. III 37, der sogar die Reinigung des Denkens von der Besudelung durch die Sinneseiindrücke verlangt. 141 S. 53; z!ur Erkl. H e i n e man in, Lehre von d. Zweckbestimmung 71. 142 More III 28 Anfang; s. o. Anm. 52; 75; 83. 143 D e Bo er, Geschichte der Philosophie am Islam! 129f.; ähnlich