Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 23)
- Language
- German
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124 Isaak Heinemarin Gauthier weiter ausgeführt hat120, vor allem daran, daß diese sich um die Durchführung der Dogmatik des Begründers ihrer Richtung weniger gekümmert haben, als um den Ausbau seiner Rechtslehre121. Vielleicht mögen auch die Almohaden aus der Erfahrung gelernt haben, welch enge Grenzen der Volksauf״ klärung gezogen sind. Durchaus im Rechte ist dagegen Ibn Roschd, wenn er die Volksaufklärung der Almohaden als einen Mittelweg zwischen der naiv-traditionellen und der philosophischen Belehrung be~ trachtete. Ihre Methode war wahrlich nicht philosophisch; man bestimmte die Bekenntnisse und die Schriften Ibn Tumerts zu wörtlichem Auswendiglernen122. Daß ein Mann wie Ibn Roschd, der zwar auch einmal den Ibn Tumert123, aber doch wohl lieber den Aristoteles kommentiert hat, den Unterschied zwischen dieser Methode und der seinigen deutlich empfand, ist ihm nicht zu verübeln124. Aber auch der Inhalt ihrer Lehren lehnt sich enger, als selbst der — den Schöpfungsglauben billigende — Kalam an die Volksreligion an. Zwar findet Goldziher Mat. 73 in der weniger volkstümlichen Bekenntnisformel eine ״pantheistische Nuance". Aber zu solcher Schätzung mancher Wendüngen über Gottes Allgegenwart125, wie sie auch den Ver- 120 Goldziher, Mat. 64f.; Gauthier 95. 121 Darin, hegt eine Annäherung an dien Standpunkt mancher arabischer Riechtsllehrer, die bezüglich anthropomiorphistischer Stellen lehrten: ,,Wie dies zu: verstehen, ist unbekannt; daran, zue glauben fet Pflicht, danach zu fragen -ist Ketzerei". Vgl. über diesen ״Weg des Friedens", d. h. ״die Methode des noli me tangere, die für eine Schule, deren Schwerpunkt im Rechte liegt, zur Not ausreichte", Goldziher, Die Zahiritenl 133f. 122 Goldziher, Mat. 75; I. T. 80 f. 123 G o l'dzih e r, Mat. 74, 2. 124 Auch Epikurs Lehrbriefe waren zu wörtlichem Auswendiglernen bestimmt. Aber erstens stand in ihnen doch etwas mehr Wissenschaftliches. Auch die Ausführungen Ibn Tuimerts über den tauhld in seinem Buche S. 262 ff. lehnen sich in Ausdruck und Inhalt (nach freundlicher Mitteilung H. Speyers) weit stärker an den Koran, als am die Philosophen an. Sodann wurden die Epikureer eben dieser Lehrweise wegen von ihren stoischen Gegnern wissenschaftlich nicht ganz ernst giemommen. 125 ״Neben ihm existiert kein Ding, das nicht Er ist, kein, Wesen außer Ihm, weder Erde noch Himmel!, weder Wasser noch Luft, weder Leere noch FüEe, weder Licht noch Finsternis, weder Tag noch Nacht . . . nur der Einzige, Allgewaltige".