Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 22)
- Language
- German
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Maimuni und die arabischen Einheitslehrer 123 nach seinem Willem. Er hofft auf keinen Lohn, und er fürchtet keine Strafe; es gibt gegen ihn kein! Recht׳ und über ihn kein Urteil. Jede angenehme Gabe von ihm ist Auszeichnung118,, und jeder Schlag von ihm ist Gerechtig״ keit; er wird nicht gefragt wegen dessen, was er tut, aber־ sie (die Ge״ schöpfe) werden gefragt. Er war existent vor der Schöpfung: bei ihm, gibt es nicht vorher und nicht ׳nachher, nicht oben und1 nicht unten> nicht rechts und nicht linksr nicht vorn und• nicht hinten, nicht Ganzes und Geteiltes. Zu ihm kann man nicht sagen: wann wurde er? und nicht: woher wurde er? und nicht: wie wurde er?, sondern er hat geformt den Raum und gestaltet die Zeit. Er wird nicht beschränkt durch die Zeit und! nicht bestimmt durch den Raum. Es erreicht ihn! nicht die Phantasie, ■es erfaßt ihn nicht der Ver״ stand, er wird nicht beschränkt durch dien Gedanken. Er wird nicht ver״ glichen durch jemanden und er wird nicht vorgestellt in der Phantasie und nicht beschrieben durch den Verstand; nicht erreicht ihn die Phantasie und nicht der Gedanke, und!es umfassen ihn, nicht die Richtungen und die Gebiete. Nichts gibt es, daß ihm ähnlich wäre; er ist der Hörende und Sehende119^ gut als Herr und gut als Helfer. Es kennen ihn die Kennenden durch seine Werke; sie verwerfen das Erörtern seiner Majestät, und alles, was gedacht wird durch Phantasie und Denken: so ist Allah erhaben im Gegensatz dazu. Nach Goldziher macht die zweite Formel den Eindruck einer populären Umschreibung der ersten, deren abstrakte Ter״ min hier vermieden werden. In der Tat geht auch die zweite Formel in der Feststellung der Erhabenheit Gottes über Raum und Zeit zweifellos unter philosophischem Einfluß über den Koran hinaus. Aber sie lehnt sich nicht nur im Sprach״ gebrauch offensichtlich viel stärker an den Koran an, sondern sie betont auch mit viel größerem Nachdruck dasjenige Merk״ mal, das den überlieferten Glauben von demjenigen eines Ibn Roschd und seiner Gesinnungsgenossen unterschied, die Lehre von der Schöpfung. Hat also bereits Ibn Tumert mindestens in der Formulierung der Bekenntnisformeln der Volksreligion dem Volksglauben doch etwas Rechnung getragen, so gingen seine Nachfolger, die Zeitgenossen Ibn Roschds, offenbar noch wei״ ter. Wenn bei den Verfolgungen des Philosophen dessen Be״ streben, den Laien volle Wahrheit vorzuenthalten, anscheinend keine Rolle gespielt hat, so liegt das, wie Goldziher erkannt und 118 Vgl. Sure 16, 55: ״Und! ihr habt keime Gabe, die nicht von Allah wäre. Darum, wenn euch ein Übel trifft, fleht ihn um Hilfe an“. 119 Vgl. Sure 17, 1; 40, 21; 58; 42, 9.