Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 16)
- Language
- German
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Malmuni und! die arabischen Einheitslehrer 117 daher gebe man die Gesetze ohne jede Begründung82 und lehre die Menge nicht den wahren Weltgott, sondern einen solchen Zeus, der mit der Waffe des Blitzes ihre Übertretungen bestraft83. Die Grundlagen dieser ganzen Spekulationen, den Naturbegriff84 und die Unterscheidung des Physischen und des Thetischen85, hat der Islam aus dem griechischen Denken übernommen. Insbesondere heißen an der erwähnten Stelle bei Schahrastani die Staatsgesetze thetisch86. Man hat daher diese Unterscheidung mit Recht herangezogen, um die Lehre eines siotsch beeinflußten Vertreters des Kalam zu erläutern87, nach welcher die Unterscheidung zwischen Gut und Böse nicht erst auf Offenbarung beruht, sondern in der Vernunft begründet ist. Die Voraussetzung für das Verständnis der griechischen Fragestellung war also unzweifelhaft gegeben. In der Tat sind Einwirkungen der erwähnten griechischen Lehren auf die arabische Theorie bereits mehrfach vermutet worden. So hat man für die radikale Rechtstheorie der Gegner des Kalam, nach welcher alles ״Gute'' auf willkürlicher Satzung beruht, mit dem. Einfluß jener sophistischen Theorie gerechnet88, die der Islam aus dem ersten Buch von Phiions Staat kannte; und die Dar- Stellung Farabis im 31. Kapitel seines Musterstaates liest sich in der Tat wie eine nähere Ausführung der antiken Herren- 82 Sen». Ep. 94, 38. 83 Sen. Nat. qiraest. II 42, 3: ״Um die unwissende Menge im Zaum zu halten, welcher die Schuldlosigkeit nur aus Furcht zusagt, haben sie ihr übers Haupt einen Strafrichter gesetzt, sogar, einen bewaffneten (Zeus als Blitz esschleuder er)“; über Poseidomios als Quelle Heiinemann I 99. 84 Jehuda Halevi Kusari I 76 findet, daß die Naturphilosophen seiner Zeit die Natur ״Gott gl'eichstellen“; vgl. Ghazzali bei De Boer, Wid'erspr. der Phil:. 1894, S. 41. In der Tat bedeutet z. B. der Glaube an die Heilkraft der Natur itn Munde des der Stoa nahestehenden Galenos weit mehr als eine nur therapeutische Stellungnahme, wie sie heute unabhängig von der weltanschaulichen Grundlage möglich ist. Und er hat auf Araber und auf Juden, wie Israeli und namentlich Maünuni, sehr stark, weit stärker als auf Christen, gewirkt: Max Neuburger, Die Lehre von der Heilkraft der Natur (1926) 18—23. 85 טבע Ggs. ושבע; Dazy, Suppl. aux dict. ar. II 817a, b. 86 201 untenוצעי; Haarbrücker II 2 übersetzt ״positiv'‘. In etwas anderem' Sinne gebraucht Maimuni! die gleiche Gegenüberstellung, um die in der ״Natur“ begründete Ansetzung der Neumonde von der auf ״Satzung“ beruhenden Anberaumung der Feiertage zu unterscheiden; Ch, Neu« bürg, er, Das Wesen des Gesetzes in, der Philosophie des Maimonides, BresL Diss., Danzig 1933r Anm. 244. Er weist darauf hin, daß M. dten Ur« sprung der Sprache אצטלאהיה לא טביעיה nennt, More II 30 — 251,19. 87 S. H o r o v i t z, Jahresb. Bresl. Sem. 1909, 25; vgl. 43 2; d e r s e 1 b e, ebd. 1915, 26; 28. 88 Goldziher, York 101.