Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 14)
- Language
- German
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Maimuni und die arabischen Einheitslehrer 115 Haltung der meisten Philosophen, die mit Galen nur zu den erlesenen Vernünftigen sprechen wollen, von denen einer 1000 oder 10 000 Massenmenschen aufwiegt69. Beide Schein düngen wirken zusammen bei Farabi, nach dem es Massenmenschen gibt, die die Verstandesdinge nur in materiellen Meinung vertreten, daß beides keinen physischen Gehalt hat, Formen erkennen; sie gleichen denen, die in einer Höhle wohnen, und denen niemals die Sonne geleuchtet hat; sie sehen nur den Schatten der Dinge, niemals das Licht; die Philosophen sehen die Dinge nur mittelbar, wie man das Spiegelbild der Sonne im Wasser sieht; sie gleichen Menschen, welche die Höhle verlassen und das Licht geschaut haben; die ״Glückseligen'" sehen die Sache selbst; sie werden selbst zu der Sache, die sie sehen"70. Offenbar hat hier Farabi das Höhlengleichnis Platons, des Vorbildes seines ״Musterstaats", weitergeführt, weniger unter dem Einfluß des Poseidonios71, als im Anschluß an die gnostische Unterscheidung zwischen Fleischmenschen, Seelenmenschen und Geistmenschen (Pneumatikern)72, die bereits auf den Talmud gewirkt zu haben scheint73. Ein bestimmterer quellenkritischer Schluß ist erst für die Lehre vom Übermenschen als Volkserzieher möglich. ״Der Gedanke, daß die Gesetzgebung das Werk gottgesandter Propheten oder, wie es bei Schahrastani heißt, vom Weisen ist, die von Gott inspiriert sind, hat seine Quelle in der Lehre des Poseidonios, daß die Gesetze das Werk der Weisen der Vorzeit sind, mit deren göttlicher Inspiration auch er rechnet"74. Es ist also kein Zufall, wenn Ibn Sina genau wie Poseidonios die Weisheit der Gesetz- 69 Goldziher I. T. 74f., der mit Recht auf Maimuni, More I 11 oben, hebr. 10 b unten vierweist. 70 Leo Strauß, Philosophie 1und Gesetz (1935), 117 verweist auf das Zitat bei Falaqera, More ha-more 132; ich!gebe es gekürzt wieder. 71Strauß 118, 1 beruft sich darauf, daß für Poseidonios in der Urzeit Herrscher, Philosophen und Seher zusamimienfielien (s. auch das im Text folgende). Wichtiger ist, daß auch nach ihm Eudaimoinia die höchste Menschenstufe auszeichnet und wesentlich dadurch gewonnen wird, daß der Geist den Gegenständen seiner Betrachtung ähnlich wird (Heioemann, Poseid. met. Sehr. I 66 ff.), ein Gedanke, der gewiß platonisch (Tim. 89 E ff.), aber in diesem Zusatz zu Platon doch wohl anderer Herkunft ist. Ich!glaube übrigens, daß auch auf den islamisch-jüdischen Begriff des הדבקות אטצאל Pos/ Lehre vom Verwachsen mit dem Göttlichen;, auf welchem zumal die Unsterblichkeit beruht (Reinhardt, Kosmos und Sympathie sowie H'einemann II, Reg. unter Symphysis) von Einfluß war. 72 Reitzenstein, Hell. Mysterienreligionen3 70; 76; 379. 73 Manuel Joel, Blicke in die Religionsgeschichte I 135. Mindestens der Einfluß der Gnosis auf den׳ Talmud, zumal auf dessen Mahnung, gewisse Lehren nur mit Vorsicht zu verbreiten, darf als feststehend angesehen werden. 74 Nach Jul. Guttmann 463, der auf Literatur, verweist. 8*