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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 114

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
Date
1935-01-01
Page
Seite 114 (sequence 13)
Language
German
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114 Isaak Heinemann den Stoikern, so beliebt er auch bei diesen ist. Die Anerkennung* allgemeiner Menschheitspflichten, die nicht in positiver Gesetzgebung begründet sind, ist z. B. im Judentum durchaus autochthon und nicht aus griechischen Einflüssen herzuleiten61; sie kann ebensogut auch im Islam unabhängig von jeder philosophischen Spekulation entstanden sein. Es kann also nicht gefragt werden, ob die Araber diese Anschauungen in dem Sinne ״übernommen"' haben, wie etwa die Lehre von den vier Elementen oder von Materie und Form, wohl aber, ob auf die Fassung der ihnen ohnehin naheliegenden Sätze das griechische Denken Einfluß geübt hat. Diese Frage ist gesondert zu stellen für die Auffassung vom Weisen und für die Lehren von Gesetz und Mythos, die wir erwähnt haben. 1. Die Distanzierung einer Menschengruppe begegnet in Griechenland in drei Formen: einer physiologischen, einer mystischen, einer rationalistischen62. Die erste, welche die Überlegenheit auf Abstammung gründet, hat zwar auf Abraham bar Chijja63 und Jehuda Hallevi64 gewirkt und scheint auch bei Maimuni65 nachzuklingen, ist aber auf die hier zu besprechenden Lehren ohne Einfluß. Die mystische und die rationalistische gehen, wie in Griechenland66, so im Islam gelegentlieh in einander über und sind nicht immer leicht zu scheiden. Unzweifelhaft mystisch ist die Distanzierung der ״wissenden" und der ״nichtwissenden" Menschen im Sufismus67 und bei Ghazzali68. Wesentlich rationalistisch ist die 61 Daß die talmudische Lehre von den דברים המסורים ללב nicht auf die griechische Lehre vom ungeschriebenen Gesetz zurückzuführen ist, habe ich HU CA IV 159'ff. zu zeigen versucht. 62 Vgl. die Skizze bei Hein e1aan% Der Margen I (1925) 5ff. 63 M-egilat ha-megalle 72 ff. 64 H einem ann a. O. 9 ff. 65 More III 51 zweite Hälfte, wo die Auszeichnung und der Beruf Israels mit seiner Abstammung von den besonders frommen Patriarchen in Zusammenhang gebracht wird, wenn auch natürlich in Anknüpfung an die Bibel. ׳ ’ 66 Über den Vergleich der Philosophie mit den Mysterien vgl. Heinemann, Poseidonios’met. Sehr. I 76, 2; über das Zusammenfließen des wissen« schafdichen und des mystischen Lebensideals bei PhiEon denselben, Krolls RE V A 2324 ff. Daß die Weltanschauung der meisten griechischen Philosophen (nicht des reifen Aristoteles!) ein überratianales Element enthält, hat L e i s e g a n g (Griechische Philosophie; hellenistische Philo- Sophie 1922 und namentlich Philol. Wochenschrift 1932, 245 ff.) gezeigt; für das Verständnis des Begriffes ׳ סודetwa bei Gabirol ist dieser Tatbestand von hoher Bedeutung. 67 Ni p h o1s o n, The idea! of personality in Sufi’sm! 46; 58f. 68 G oldziher, Koranerkli. 209f.; vgl. auch.Hein em ann, Lehre', von der Zweckbestimmung des Menschen 70, 2 über den Zusammenhang, mit der antiken! Hermetik. Weit mehr wird voraussichtlich über die Einwirkung der Gnosis auf.den mittelalterlichen Orient nach Fertigstellung, von Hans Jonas, Gnosis und spätahtiker Geist (I erschien 1934) zu sagen sein.

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