Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimuni und die arabischen Einheitslehrer
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 12)
- Language
- German
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Maimuni und die arabischen Einheitslehrer 113 ist53, halten, und zwar ohne viel Nachdenken54; für den Weisen ist es ohne innerlich verbindliche Kraft55. e) In weniger schroffer Form lehren die Lauteren Brüder56 und Ghazzali57 Einschränkungen der Volksaufklärung. Auch in der Ablehnung des Anthropomorphismus gehen sie nicht so weit wie die Philosophen58; und trotz der Ablehnung des mechanischen Gehorsams, wie namentlich die Fuqaha ihn for״ derten, glauben sie doch an die allgemeine Verbindlichkeit des Gesetzes auch für den Philosophen59. Die Frage nach den griechischen Quellen dieser Anschau״ ungen kann nur mit Vorbehalt gestellt werden. Der Kinder״ glaube hat zwar in demjenigen, was der Grieche (nicht immer tadelnd) Deisidaimonia nannte, seine Parallele; er ist aber natür״ lieh im Islam unabhängig von fremden Erscheinungen erwach״ sen. Die Denkweise der Skeptiker dürfte, soweit sie sich gegen den Offenbarungsglauben und das Dogma richtet, aus den Wider״ Sprüchen im Koran und aus dem Zusammenstoß mit nicht offen״ barungsgläubigen Völkern ausreichend zu erklären sein60. Auch die schroffe Unterscheidung zwischen den geistigen oder geist״ liehen Hütern geheimer Weisheit und der Menge ist als solche mindestens so gut orientalisch wie griechisch; der Vergleich des philosophischen Laien mit dem Patienten, der seinem Arzte vertrauend folgen muß, aber durch selbständiges Hineinpfuschen nur verdirbt, lag den arabisch״jüdischen Philosophen, die selbst den ärztlichen Beruf ausübten, erheblich näher als Platon oder 53Goldziher, Kitab 24*; J׳ull Guttmann 458• 54 Vgi. Ihn Roschd, Philosophie und; Theologie, S. 69 S. 66 der Übers., wonach ״der Hauptzweck des Wissens für die große Menge nur die Praxis" ist; ׳es .folgt der Nachweis der Gefahr der Spekulation׳. 55 Ihn Sine bei D e B o er a. O.; Schahrastani 201 ~ II 2 der Übers, ״die theistischen Philosophen behaupten: die Gesetze und ihre Urheber sind Dinge für den gewöhnlichen Mainin; die Urheber der. Gesetze sind Männer, welche wissenschaftliche Kenntnisse besaßen und zuweilen von Seiten des ״Gebers der Fonmlen“ (des ״tätigen Intellekts״‘) gekräftigt wurden!“. 56 G o I d z i h e je־, Richtungen der Koranerklärung 209 f. 57 Goldziher, Koranerklärung 251, 5. 58 Ghazzali! schwankt: Goldziher, Koranerklärung 201; 236. 59 Goldziher, Kitab 23*; Obermann, Der philos. und re! Sub״ jektivismus Gh*s 93 ff.; Goldziher, Vor!. 181. 60 Daß die Araber die allgemeine, erkenntnistheoretische Skepsis kannten, die zu metaphysischer Skepsis führen mußte, steht freilich fest: S. Horovitz in: Judiaica, Festschrift H. Coheni, 235ff.; Jahresber. Bresl. Seminar 1915. Monatsschrift) 79. Jahrgang 8