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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 99

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Maimonides als Erzieher
Date
1935-01-01
Page
Seite 99 (sequence 11)
Language
German
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Maimonides als Erzieher 99 ״Obgleich es rechtlich gestattet ist, den nichtjüdischen Sklaven mit Strenge zur Arbeit anzuhalten, so ist es doch ein Gebot der Liebe und Weisheit, auch gegen den Sklaven barmherzig und liebreich zu sein, sein Joch nicht zu erschweren und ihn nicht zu quälen. Auch soll man den Sklaven weder handgreiflich noch mit Worten verächtlich behandeln, seine Knechtschaft hat die Tora gestattet, nicht aber seine Beschämung'36. Maimonides duldete es nicht, daß die jüdische Nächsten״ liebe in den Fesseln des Stammesgefühls gebannt bleibe. Es ist meine Meinung, schrieb er, daß den Fremden die Vorteile der Gesittung und Nächstenliebe wie den Glaubensbrüdem zu״ gewendet werden müssen, wie wir ja auch verpflichtet sind, für ihren Unterhalt zu sorgen, wenn sie Not leiden. In sein Gesetz״ buch nahm Maimonides ferner die Forderung der Weisen auf, man solle die Armen der Heiden ernähren, ihre Kranken be״ suchen, ihre Toten bestatten und ihre Trauernden trösten, gleich denen der Juden. Diese Forderung aber begründete er nicht nur, wie die Weisen, mit dem Worte: ״um des Friedens willen", sondern auch mit dem Psalmvers: ״Gütig ist der Ewige gegen alle, und sein Erbarmen waltet über allen seinen Geschöpfen"37. Das ist die Stufe, zu der Maimonides sein Volk empor״ führen wollte: Gott ist gütig gegen alle, und wer ihm nach״ wandeln will, muß Nächstenliebe an allen betätigen. Er muß uneigennützige und nicht Lohn oder Anerkennung fordernde Nächstenliebe an allen betätigen, ״nicht aus Furcht vor dem Übel oder, um Glückseligkeit zu erwerben", denn ״dies ist die Stufe unseres Vaters Abraham, sie hat Gott durch Mose uns geboten". An den Anfang seines Gesetzbuches stellte Maimo״‘ nides das Wort: ״Der Hauptgrund und die Säule der Weisheit ist, zu erkennen, daß es ein Urwesen gibt, das alle Krea״ tu r ins Dasein gerufen hat". Und an das Ende schrieb er das die Menschheit umfassende Prophetenwort: ״denn die Erde wird dereinst voll sein von der Erkenntnis des Ewigen, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken. 7. Was Maimonides lehrte, darnach lebte er. So wurde er ein Erzieher seinem Volke auch durch seine vorbildliche Per״ 30 H. Abadiim 9, 8. 37 H. Matn. Anijjim 10, 2.

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