Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 100

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Maimonides als Erzieher
Date
1935-01-01
Page
Seite 100 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839343--53285-2839408
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

100 J. Bergmann sönlichkeit. Wer in seine Schriften sich vertieft, glaubt in ein Haus eingetreten zu sein, das von Licht erfüllt ist. Licht und Klarheit gingen auch von der Persönlichkeit des Maimonides aus. Logik und Vernunft waren in ihm stärker als Phantasie und Sinn für Poesie. Groß war seine Selbstbeherrschung. Allein durch alle Selbstbeherrschung bricht immer wieder sein war« mes Empfinden durch, das, wie ein Feuer, in seinem Inneren eingeschlossen war. Acht Jahre nach dem Tode des Bruders schrieb er: ״So oft ich seine Handschrift oder eines seiner Bücher lese, erneuert sich in mir der Schmerz. Wäre die Lehre nicht mein Ergötzen, und würde die Philosophie nicht Linde« rung mir bringen, ich ginge in meinem Kummer unter/' Seinen Schüler, Josef ibn Aknin, liebte und beriet er wie ein Vater seinen Sohn, empfahl ihm, die zu ehren, die sich selber und anderen gering erscheinen, und forderte von ihm, dem Lehrer nachzueifem und Schmähungen zu erdulden, aber niemals andere zu schmähen. Wer in unserer Zeit, meinte Maimonides, jedem vergelten wollte, wie er es verdiene, würde böses Tun sich zur Lebensregel machen38. Er selbst habe, wie er bekennt, niemals auf üble Nachrede gehört und auf Kränkungen und Schmähungen nicht geachtet, sondern denen verziehen, die ihn gekränkt und geschmäht haben39. So ward Maimonides seinen Brüdern ein Vorbild durch seine Versöhnlichkeit und Friedensliebe. Von jeder Gemeinde in Israel verlangte er, daß sie eine einige Gemeinschaft sei, in der es niemals Streit und Zwietracht gibt40. Die angesehene Stellung, die einzelne Glaubensbrüder er« langt hatten, erschien Maimonides als ein Übel, nicht als ein Glück. Wer nach Ehren strebe, erreiche Sorgen, Kummer und vielleicht noch LInglimpf von Andersgläubigen. Nicht in äußeren Ehren solle man das Glück suchen, sondern im treuen Erfüllen der Pflicht es finden, von der Meinung der Men« sehen unabhängig bleiben und von häßlichen Wegen und Schwächen sich fernhalten41. 38 Kobez H 3 7 d, 31b, 29 d. 89 Kobez 25 a N. 140. 40 Kobez 29 c N. 148. 41 Kobez II 31 d.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.