Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Maimonides als Erzieher
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2830007-2830010-2839343--53282-2839405- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Maimonides als Erzieher 97 in diesem Heiligtum beten, zum Himmel emporgerichtet29. So ist Maimonides seinem Volke ein Erzieher zum Glaubensstolz, aber auch zur Ehrfurcht gegen den Glauben Andersgläubiger geworden. 6. Religion und Ethik waren für Maimonides eines. Wie er das Volk zu einer von Anthropomorphismen, Aberglauben und Intoleranz geläuterten Religiosität erzog, so wollte er auch das Volk zu ethischer Höhe emporführen. Wiederholt rief Maimonides das Herz seiner Brüder zur Nächstenliebe und zum Wohltun. Es gibt, meinte er, keine herrlichere Freude als das Herz der Armen, Witwen, Wa i״ sen und Fremden zu erfreuen, denn wer das Herz der Armen erfreue, gleiche Gott, von dem es heißt: ״Aufleben zu lassen den Mut der Niedrigen^30. Israel galt ihm als eine Ge״ meinde von Brüdern: Der Bruder müsse des Bruders sich er״ barmen, wer sollte es sonst tun, und auf wen sonst sollten die Armen Israels ihren Blick richten31? Von weitherziger Nächstenliebe zeugt Maimonides Urteil über die Proselyten. Obadja, ein Proselyt in Jerusalem, fragte Maimonides an, ob er als Proselyt den Ewigen als den ״Gott unserer Väter", der uns auserwählt hat", anrufen dürfe. Mai״ monides verwies Obadja darauf, daß Abraham, der viele Göt״ zendiener zum wahren Glauben bekehrte, nicht nur als Stamm״ vater seiner Nachkommen, sondern auch als Vater der Prose״ lyten gelten müsse, die zu dem einen Gotte sich bekehrt haben. Obadja dürfe nicht nur den ״Gott unserer Väter", anrufen, sondern auch sprechen: ״der uns auserwählt hat". Denn auch die Proselyten hat Gott auserwählt und auch ihnen die Lehre gegeben, die ein Gesetz für Israeliten und Fremde enthält. Wenn die Israeliten als die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs gelten,, so dürfen die Proselyten auf Gott sich berufen, der ihr Beschützer ist und mit Liebe sie aufnimmt. An sechsunddreißig Stellen hat die Tora die liebevolle Behandlung, der Proselyten gefordert. Darum sündige gegen Gott, wer einen 29 Resp. e& Fr. 365 f. N. 369. 30 H. Meg. 2, 17. 31 H. M&tn.. Anijjim 10, 2. Monatsschrift, 79. Jahrgang 7