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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1935-01-01 · Heft 2 · p. Seite 88

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
79 (1935)
Issue
Heft 2
Article
Brief des R. Moses an seinen Jünger Josef b. Jehuda ibn Aknin,
Date
1935-01-01
Page
Seite 88 (sequence 8)
Language
German
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88 Heinz Wolff raten, etwas von ihnen! anzunehmen. Besser Du verdienst eine Drachme als Löhn für Weber«, Schneider« oder Zimmermannsarbeit, als daß Du eif\ Lizenzdiplom des Exilarchen einholst. Wenn Du mit ihnen zu tun hast, wirst Du verlieren, und wenn Du von ihnen etwas anniimmst, Dich erniedrigen. Meine Ansicht ist, daß Du Deine ganze Sorgfalt auf den Handel und das Studium der Medizin wenden und daneben das Torastudium betreiben sollst, aber nach der richtigen Methode: so nämlich, daß Du die Halachot des Raw12 (sein Angedenken zum Segen) studierst und sie mit meinem Kom« pendium vergleichst. Wo Ihr eine Meinungsverschiedenheit findet, müßt Ihr wissen, daß das Zurückgehen auf dien Talmud darauf hinleitet, und Euch mühen, dort die betreffenden Stellen zu finden. Wenn Du aber die Zeit mit den Kommentaren und Erklärungen der dunklen Stellen der Talmudim ver« bringst, so sind das Dinge, bei denen viel Zeitvergeudung, aber wenig Nutzen herauskommt. Wozu Du nun auch Deine Zuflucht nimmst, laß es mich wissen, und' Gatt möge Dich leiten, den rechten Weg einzuschlagenl Du sollst wissen^ daß ich es in der Medizin bei den Großen zu be« deutendem Ansehen gebracht habe, so bei den Obergadir den Emiren, im Hause des Al«Fäd!il und bei anderen Nobilitäten der Stadt, solchen, von denen ich nichts bekomme. Der Menge des Volks dagegen bin ich ent« rückt, und sie findet keinen Zugang mehr zu mir. Das legt mir die Ver« pfliehtung auf, daß ich den Tag ständig mit Krankenbesuchen in Qahira verbringe. Wenn ich dann nach Fostat komme, bin ich zu erschöpft, um während des Rests des Tages und der Nacht das Nötige von den Werken der Heilkunst nachlesen zu können. Du kennst ja den Umfang dieser Kunst und die Schwierigkeit ihrer Ausübung für jeden, der Gewissen und Wahr« heitsliebe besitzt und nicht gern etwas behauptet, ohne daß er dafür einen Beleg kennt, weiß, wo ihn zu finden', und wie sich die analogen Fälle ver« halten. Dadurch kommt es dazu, daß ich keine Stunde habe, um das jü« dische Religionsgesetz zu studieren; nur am Sabbat, sonst nie, kann ich darin lesen. Für die anderen Wissenschaften aber erübrige ich keine Stunde, und mir ist schon sehr großes Leid daraus entstanden. In der letzten Zeit habe ich alle Werke des Ibn Roschd zu den Büchern des Aristoteles außer De sensu et sensato bekommen^ und ich stellte fest, daß sein Urteil ein sehr zutreffendes ist, habe aber bis jetzt nicht Muße gefunden, alle seine Bücher einmal durchzuarbeiten. Enthaltet13 mir Eure Briefe nicht vor, denn ich habe niemand, der mir lieber wäre als Ihr. Wenn Ibn«Al«M!uschät aus Indien kommt, wird er Euch ganz zufrieden stellen14 entsprechend dem, was ich erwähnt habe. Unsere Freunde grüßen Euch allesamt. Der Scheich Abul«Ma*äli, sein 12 Alfassi. 13 Hier und weiter rediet er Josef in der 3. Person Sing. fern. an. 14 Die Übersetzung folgt nicht der Konjektur Munks, die auf der falschen Voraussetzung beruht, daß das weibliche Pronomen י־ן־־ןא sich auf eine unbekannte weibliche Person beziehe.

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