Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Brief des R. Moses an seinen Jünger Josef b. Jehuda ibn Aknin,
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 9)
- Language
- German
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Brief dies R. Moses ben Maimon 89 Bruder und unser Sohn AbubRida, ja alle Leute in meinem Hause, Freie wie Sklaven, freuen sich, Gott weiß es, erfreuliche Neuigkeiten von Euch zu hören, und hegen die frömmsten Wünsche, daß Eure Angelegenheiten sich in einer Weise ordnen mögen, wie sie uns und Euch die liebste ist. überbringt meine besten Grüße Eurem Schwiegervater, dem ehrwürdigen, frommen, gottesfürchtigen, vertrauenswürdigen, beständigen Scheich, dem hachwürdigen heiligen Rabbi Josua dem Erprobten, dem Ruhm und Stolz der Kabanim, Gott schütze ihn, und richte ebenso meine besten Grüße seinem Sohn aus, durch den Gott sein Glück mehre. ״Möge er Nach׳- kommen sehen und lange lebenl“ Wenn auch ein religiöses Verbot besteht in dem alten Spruch: ״Man grüße nie eine Frau*7 so׳ darf man doch für sie wünschen: Dir und Deinem Hause Wohlergehen und ״wenn die Zeit wieder lebendig wird, der Sarah einen! Sohn“! Möge Euer Wohl wachsen und gedeihen nach Eurem Wunsche und1 dem Wunsche des Briefschreibers Mosche ben Maimon, Anfang Marcheschwan, 1503 der Verträge (= Herbst 1191). Maimonides als Erzieher. Von J. Bergmann. 1. Der ״Führer der Unschlüssigen", Maimonides' philosophisches Hauptwerk, das sich in der Bibliothek Spinozas befand, hat Spinozas Denken und philosophisches System beeinflußt. Moses Mendelssohn hat dieses Werk schon in jungen Jahren studiert und scherzend oft im Alter gesagt, Maimonides habe er es zuzuschreiben, daß sein Rücken krumm und sein Verstand gerade wurde. Schon als Knabe las Salomon Maimon den ״Führer", und seine Verehrung für den Verfasser war so groß, daß er bei dem Namen des Maimonides zu schwören pflegte, irgend eine schlechte Tat nicht zu begehen. So ist Maimonides noch in der Neuzeit den nach Bildung Strebenden ein Weg« weiser zum Licht geworden. Was aber war er dem Volke? Maimonides wurde einmal als Geistesaristokrat hingestellt, der der ״Menge" ferngestanden hat. Von ihm wurde behauptet, er habe für die ״Vorherrschaft der Vernunft" im Judentum gekämpft, aber auch in ihm selber sei die Vernunft vorherrsehend gewesen und habe Herz und Empfinden in ihm fast ganz zum Schweigen gebracht. Jehuda halewi wurde das ״Herz" und Maimonides der ״Geist und Verstand des jüdischen Vol~ kes" genannt. Das Lebensideal des Maimonides war nicht der