Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Brief des R. Moses an seinen Jünger Josef b. Jehuda ibn Aknin,
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 Heinz Wolff Sünden. Die Läuterung des Charakters aber, meinen sie, gehöre nicht zu den Pflichten der Religiosität, und auch in der Wahl ihrer Worte sind sie nicht so behutsam wie die vollkommenen Gottesfürchtigen. Bei den meisten Machthabern unter den Männern des Glaubens verschwindet die Gottes^ furcht, sobald es an ihre Macht geht, keiner von ihnen stellt an sich die Anforderung, wie Chananja ben Dosa und Pinchas ben JaJr (auf ihnen sei Friede) zu sein, und keiner wird der Unfrömmigkeit bezichtigt, wenn er nicht auf dieser Stufe steht. Grundsätzlich verlange ich von Dir, wenn Du denn, mein Schüler bist, daß Du meinen Charakter annimmst. Es ziert Dich, zu den Beleidigten und nicht zu den Beleidigern zu gehören. Laß Deinen Worten nicht freien Lauf und fürchte dabei Gott zuerst, und den Tadel der Verständigen und Frommen zuletzt. Mach zu Deinem Ziel, bei diesem Manne zu siegen (?), ohne dabei in irgendeiner Weise seinem Inter״ esse in die Quere zu kommen7. Ein Mensch kann die Mitmenschen in Höflichkeit (?) zurückweisen, tadeln, und bekämpfen. Jedenfalls gehe von einer Meinung in keiner Weise ab! (?) Was Deinen Wunsch angeht, daß ich in Briefwechsel mit dem Exilarchen trete, so habe ich schon geschrieben. Ich empfing seinen Brief und brachte ihn in meiner Wohnung zur Verlesung, wobei ich stand und in meiner Wohnung alle angesehenen Mitglieder der Gemeinde Fostat, jung und alt, versammelt waren. Es war zu Sukkot und alle standen, als ich stand — ein großer Tag für mich; den Brief las R. Samuel, der Lehrer, während rechts und links von ihm alle Ältesten der Gemeinde auf einer Steinbank saßen. Was verlangst Du von mir mehr? Ich meinerseits schrieb dem Oberhaupt der Akademie, daß, wenn ich gewußt hätte, daß es dort Zank und Streit gäbe, ich wahrhaftig, nicht zwischen ihnen vermittelt hätte; aber nun sei es einmal geschehen und ״schon das Hörn, in Jabne vernommen'". Ich setzte ihm das auseinander und zeigte, daß ein Zurück nicht mehr möglich sei. Du aber, mein lieber Sohn, teile dem Oberhaupt der Akademie mit, was ich getan habe, und laß ihn wissen, daß ich ihm nicht schreiben werde, bis ich einen Brief von Dir, mein lieber Sohn, habe mit der Darstellung des wahren Sachverhalts, über den ich ihm dann, nach reiflicher Prüfung Mitteilung machen werde. Zu dem ״Traktat"' ist zu sagen, daß ich mich über Dich wundere, mein Sohin, wie Du ihn mir schicken kannst, auf daß ich mich daraus von seinem (des Verfassers) geringen Wissen überzeuge. Wie kannst Du denln glauben, daß ,ich ihm oder einem, der größer ist als er, das Verständnis irgend« einer Sache zutraue? Das Äußerste noch, das ich ihm z«billigen kann, ist, daß er ein Prediger wie jeder andere ist und dasselbe tut, was andere tun. Ich habe mich, Gott weiß es, gewundert, wie er solch dummes Zeug vor״ bringen kann, das noch dazu gleichzeitig lächerlich und beleidigend ist; nun, seine Beleidigung ist die Beleidigung eines Armseligen. Wenn er sich aber damit begnügt hätte7 Beweise aus den 100״ Benediktionen4" und der Bene״ 7 Selbst Goldziher konnte diese und manche andere Stelle nicht deuten.