Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Moses ben Maimons Persönlichkeit
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
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74 I. Elbagen Neben der geistigen empfindet er die religiöse Not tief schmerzlich. Auf der einen Seite sind es die durch die Philosophie Irregeleiteten, die ihm weh tun; sein persönlicher Jünger Josef ben Jehuda36 ist ihm der Typ dafür, ihm widmet er seinen More — er schreibt ihn, als die medizinische Praxis schon fast seine ganze Zeit und Kraft in Anspruch nimmt. Die Gebildeten in der Provence, die durch Jehuda ibn Tibbons bedeutsames Übersetzungswerk mit der religionsphilosophischen Literatur des Judentums in Berührung gekommen sind37, werden seine sehnsuchtsvollsten Leser und begeistertsten Verehrer. Aber in der Nächbarstadt Montpellier lebt eine Gemeinde, die noch im Volksglauben steckt und sich mit primitiven Gedankengängen der Astrologen abquält38. Auch anderwärts ist ihm der naive Glaube mit seiner grobsinnigen anthropomorphen Gottesanschauung und den abergläubischen Folgerungen daraus begeg- 36 Ob Josef ben Jehuda mit diem׳ Autor Josef ibn Aknin; wirklich identisch ist, müßte erneut untersucht werden. Unbedingt sicher ist es nicht. Steinschneiders Aufsätze sind jetzt in seinen Gesammelten Schriften I leicht zugänglich. 37 Der Brief, auf den sich die Antwort des Maimonides in Kobiez II 44 bezieht, ist von Wertheimer in גנזי ירושלים I 33 a abgedruckt. 38 Das Sendschreiben über die Astrologie, Kobez II 24eff., ist jetzt nach mehreren Manuskripten in besserer Textgestalt durch Alexander Marx im Hiebrew Union College Annual III 349—358 veröffentlicht. Marx hat aber auch die Anfrage entdeckt, auf welche dieses Sendschreiben sich bezieht, und das. 343—49 abgedruckt. Aus dieser Anfrage sehen wir erst, welche Verwirrung in den Anschauungen über die Geschicke der Menschen und die Möglichkeit einer Abhilfe bestand1. Aus der Anfrage und der von, Marx zum ersten Mal mitgeteiliten Adresse (S. 358) ergibt sich, daß die Anfrage aus Montpellier und nicht, wie man bisher meinte, aus Marseille stammte. Ob Joantham Cohen, der alls Adressat für die Antwort empfohlen wird, damals in Montpellier gewohnt hat, wissen wir nicht. Wir kennen ihn sonst nur als Vertreter der Gemeinde Lunel, vergi. Kobeiz I § 24 und § 49, sowie in Alfred Freimanns neuer Ausgabe der Respansen des Mose ben Maimon, LH ff. Die Manuskripte bei Marx beginnen, wie der Brief nach Lunel Kobez II 44 a mit den Worten מי זאת הנשקפה כמו שחר Cant 6, 10. Die Frage, wo diese Wendung echt ist, ist schwer zu entscheiden, aber es ist nicht ausgeschlossen, daß tatsächlich beide Briefe mit den! gleichen Worten anfingen. Zum Schreiben undl der Antwort vg־l. die ausführliche Einleitung von Marx S. 311׳ ff., die alle Probleme der Beziehungen zwischen Moses ben Maimon und den Gelehrten der Provence eingehend behandelt