Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Moses ben Maimons Persönlichkeit
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Moses hen Maimons Persönlichkeit 73 hatte sie — und darin bestand eine der Schwierigkeiten seiner Aufgabe — sorgfältig eingesehen und geprüft; sich dann aber von ihnen freigemacht und in tief durchdachter Darstellung ihren Inhalt selbständig wiedergegeben. ,Es trieb ihn bei seinem Werk nicht schriftstellerischer Ehrgeiz; sondern wirklich beobachtete geistige Not; ein allgemeiner Rückgang des Talmud-Studiums; für das die Zeitgenossen entweder nicht die Zeit hatten oder sich nicht nehmen wollten. Wie er es sah und schilderte; ist das Bild der jüdischen Studien seiner Zeit trostlos: ,;Wisset, so schreibt er um 1195 in die Provence34, d!aß in dieser harten Zeit nirgends Menschen übrig geblieben sind; die das Banner der Bibel und des Talmud hochhalten, außer Euch und den Städten in Eurer Umgebung. Von Euch weiß ich, daß Ihr regelmäßig Eure Lehrhäuser haltet, aber auch Weisheit und Wissenschaft pflegt. In unsern (östlichen Mittelmeer) Ländern ist die Tora vollständig geschwunden^ die meisten großen Länder sind wie tot, ein kleiner Teil׳ liegt in Agonie, und etwa drei oder vier Orte in Palä« stina sind nur krank. In ganz Syrien ist Aleppo der einzige Ort, der noch einige Gelehrte birgt, die sich mit der Tora befassen, aber keineswegs für sie aufopfern. In! der ganzen mesopotamischen Gola sind nur zwei, drei Körnchen übriggeblieben. Im ganzen Yemen und den arabischen Berg« festen beschäftigen die Leute sich ein wenig mit dem Talmud; sie tun es aber nur um des Verdienstes willen. In jenen Gegenden haben einige hochherzige Männer die Mittel aufgebracht, drei Exemplare meines Mischne Tora zu erwerben; sie haben je eines in die Provinz verteilt, und er hat die Augen der Leute erleuchtet und ihr Verhalten verbessert; bis nach Indien wirkt sich das aus. Aber die Juden in Indien kennen nur die geschriebene Tora, wissen nichts von: der Religion, bis darauf, daß sie den Sabbat uind die Beschneidung beobachten. Was im Maghreb um! unserer Sünden willen geschehen und über uns verhängt ist, das ist bekannt, es bleibt uns keine andere Hilfe, als bei Euch, meine Brüder, Ihr seid diejenigen׳, welche das Erbe zu erhalten haben/‘‘ Diese furchtbare Not hat Maimonides zum Schreiben be« stimmt und auch mit Entschiedenheit die Bitte ablehnen lassen; das Werk ins Arabische zu übertragen. Es sollte Volksbuch und Gemeingut aller Juden werden; ja7 er wünschte die Zeit zu finden; auch seine arabischen gelehrten Werke ins Hebräische zu übertragen35. b. Jehuda in Kobez II 30 d, in denen Maimonides sich sehr deutlich über seine Absicht bei׳ der Abfassung des Mi To und über seine Methode aus״ spricht. 84 Kobez II 44 b. 85 Das. H 15 c, d.