Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 79 (1935)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Moses ben Maimons Persönlichkeit
- Date
- 1935-01-01
- Page
- Seite 72 (sequence 8)
- Language
- German
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72 I . Ellbog en läßt er sich als Arzt nieder und sucht, eine Praxis zu begründen. Er nimmt sie außerordentlich ernst und unterbaut sie täglich mit immer erneuten Studien in den Klassikern der Heilkunde29. In diesen Jahren muß er auch seine Stellung innerhalb der jüdi״ sehen Gemeinde errungen haben, die sicher nicht nur auf seiner überragenden jüdischen Gelehrsamkeit, sondern auch auf seiner Teilnahme an der Behandlung der jüdischen Angelegenheiten beruht haben muß. So wie er es in dem Briefe an Samuel ibn Tibbon 1199 schildert30, daß er die ganze Woche vom ärztlichen Beruf absorbiert wurde und nur am Sabbath einige Stunden für die Judenheit erübrigt, kann es nicht immer gewesen sein. Damit würden die Gemeinden sich nicht zufrieden gegeben haben; es muß eine Zeit intensiver Beschäftigung mit der Gemeinde, deren innere Lage ja nicht so einfach und glänzend war, wie man sie sich rückschauend heute vorstellt, vorangegangen sein, eine Zeit, in der er regelmäßig sein Lehrhaus hielt, seine Entscheidungen fällte, mit den Dajjanim seine Besprechungen hielt und all den Ärger hatte, der mit den Gemeindeangelegenheiten zusammen״ hing31. Und schließlich ist er Nagid, also das Haupt der Juden״ heit geworden, und er betrachtete die Würde nicht nur als Ehre, sondern als Verpflichtung. Die im Mischne Tora bearbeitete Materie beherrschte er vom Mischna״Kommentar her, nichtsdestoweniger quälte er sich ״an die zehn Jahre, Tag und Nacht, mit der Abfassung dieses Kompendiums“32, d. h. mit der Sammlung und der noch schwie״ rigeren Aufgabe der Sichtung des Stoffes, da er ihn nicht aneinanderreihen wollte, wie er sich zufällig im. Talmud findet, sondern nach Materien zusammengefaßt, systematisch geordnet, organisch auf gebaut, übersichtlich, in reinem, klarem Hebräisch dargestellt, so daß jeder sich leicht in dem Werke zurechtfinden konnte33. Seine Quellen hat er freilich nicht genannt, aber er 20 Brief an Josef b. Jehuda, bei Munk, S. 29; vergi. ״wieiter S. 81 ff. 80 Kobez II 28 c, sehr häufig übersetzt und! nachgedruckt. 81 Schreiben) an Pinchas b. MeschuUam in Kobez I § 140. Bin festes Datum bildet die Verordnung gegen die karäischen Bräuche, Kobez I § 149; nach dem arabischen Original MS LIK, 1909, 475 ff., 1176 erlassend 32 Vergi!. das. I § 49y 12c. 83 Vergi. die beiden eben angeführten Stellen und den Brief an Josef