Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Kassel nach der Fremdherrschaft
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 606 (sequence 20)
- Language
- German
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606 Felix Lazarus Töchtern des hochangeseheneri Seidenwären-Größkaufmanns Joel Reinach die einzige Ueberlebende. Mine verzichtet auf den Geliebten, und Berta wird des Rabbiners Gattin, der nach kurzer Amtszeit von der Cholera ergriffen hebst seiner Frau stirbt. In Wirklichkeit erlag Romann am 17; August 1842 einem Lungenleiden im Alter von 32 Jahren. Am 19. August1842 ׳ fand das Leichenbegängnis statt, an welchem mehrere Regierungsvertreter, Geistliche aller Konfessionen, zahlreiche Freunde und Verehrer und fast die ganze isr. Gemeinde teilhahmeri. Kreisrabbiner Israels, die neuen Leviten, stolz auf den ihnen gewordenen apostolischen Ruf und getrieben vom heiligen Geiste, zerstreuten sich nach allen Seiten. Von ihrer apostolischen Wirksamkeit hat man leider bis jetzt noch nichts erfahren. Die einen treiben ihren Schacherhandel nach wie vor, die andern verfolgen ihre sonstigen Rerufsgeschäfte. Doch im dunkeln Schöße der Zeit ist noch manches Geheimnis verhüllt, das erst die Zukunft ans Tages־' licht fördern wird“. 1 ״Ähnlich wie Pinhas in seinem oben erwähnten Auf־ satz (599) sucht der Vf. nächzuweisen, daß von den Rabbinern religiöse Aufklärung weder je ausgegangen sei noch von ihnen erwartet werden könne. Eine Reihe religiöser Vorträge und Predigten werden daraufhin ausführlich besprochen. Am Schluß seiner sehr eingehenden Darlegungen setzt der Vf. auseinander, weshalb er sich mit R. so lange beschäftigt. Einmal sei R. für viele Rabbinen eine typische Erscheinung. Dann aber sei Kurhessen das einzige Land, das die Juden voll emancipiert habe. Deshalb müsse man an die religiöse Aufklärung dieses Landes und seinen Rabbiner größere Anforderungen stellen. Der Artikel wirft ein so scharfes Licht auf die Kasseler Gemeindeverhältnisse zur Zeit R.s und die Ein־ Stellung eines Teiles der Gemeindemitglieder zu ihm, daß die Aufnahme dieses kurzen Auszuges wohl keiner Rechtfertigung bedarf. Fragt man nach dem Vf., so wird man den Kasselern, denen das gespannte Verhältnis zwischen R. und Büäinger (oben S. 602), dein bisherigen RabbinatsVerweser, natürlich kein Geheimnis geblieben war, es nicht verargen, wenn sie ihm die Autorschaft zutrauten. Zweifellös mit Unrecht. Ein Mann mit B.& Kindergemüt führt solch vergiftete Pfeile nicht im Köcher. Aber auch Heß, von dessen Charakter ihäh diesen Angriff auf den glücklicheren Mit־ bewerben eher erwarten könnte, kommt nicht in Frage. Die Schreibweise, die feine Ironie, der überlegene Humor, die durchdächte, von hoher Bildung zeugende Darstellüngsart stechen von H.s uns bekannter impul״ siver Spräche aufs stärkste ab. Ein Rabbiner würde sicherlich auch nicht über seinen Stand in der angedeüteten Weise den Stäb brechen. Endlich ist es wohl ausgeschlossen, daß ein außerhalb Kassels Lebender über di© Vertrautheit mit so zahlreichen Einzelheiten des Kasseler Gemeindelebens hätte verfügen können, die der Verfasser dieses Artikels offenbar besitzt.