Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Kassel nach der Fremdherrschaft
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 604 (sequence 18)
- Language
- German
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604 Felix Lazarus gegenüber zeigt ihn als einen aufrechten Mann, der zuweilen auch kräftige Töne anzuschlagen weiß. Bankier Büding soll auf Preußische Requisition hin vor dem Kasseler Gericht einen Eid more judaico, wie er dort noch besteht, in Kurhessen aber seit 1828 abgesehafft ist, leisten. Er soll bei dieser Prozedur assistieren, weigert sich aber, da sie gesetzwidrig sei. In Kur? hessen habe der Rabbiner nur vorher eine Eidesbelehrüng vorzunehmen1. Natürlich dringt er nicht durch (5. 4. 1841). 1842 schreibt die Direktion der Straf״ und Besserungsanstalten, eine wegen Betruges zu mehrmonatlichem Gefängnis verurteilte jüdische Frau aus Abterode habe seit dem 24. Februar, dem Tage ihres Strafantrittes, also seit mehr als einem Monat, in ihrer Gewissens־r 310t die Gefängniskost verschmäht und lediglich von Brot und etwas Butter ihr Leben gefristet. Auch in diesem Fall scheint er nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu haben, wenn er die Verabreichung ritueller Kost vorschlug. So macht R, den Eindruck einer höchst sympathischen, wenn auch nirgend über das Mittelmaß hinausreichenden Persönlichkeit, die den Orthodoxen durch ihre tief innerliche Frömmigkeit, den Liberalen durch anspruchloses, bescheidenes Wesen Verehrung und x4chtung ein״ flößte, wenn auch freilich Haß und Neid einzelner ihm manche bittere Stunde bereiteten2.. Was aber besonders sein Andenken 1 S. oben S. 592 und Kurh. Gesetze. ,,Verordnung über die Eidesleistung der Israeliten“ vom 14. Februar 1828. § 3. 2 ,,Wenn in heutiger Zeit“, so heißt es in einem von th (Rothfels) verfaßten Nachruf, den mir Justizrat Rothfels liier freundlichst zur Verfügung stellte, die ,,Stellung eines Rabbinen mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist, wenn die Aufgabe, das positive Judentum mit der Wissenschaft in Übereinstimmung zu bringen und den Anforderungen zu genügen,, welche eine bewegte Zeit stellt, eine für menschliche Kräfte kaum lösbare genannt werden kann, war eine solche für den Verstorbenen um so sch wieriger, als derselbe in noch jugendlichen Jahren seine Schultern dieser Last darzubieten hatte, und seine religiösen Ansichten mehr dem Gemüt und der frommen Anhänglichkeit an die Überlieferungen der Väter, denn einer durch unbefangene wissenschaftliche Forschung herangebildeten Überzeugung zusagten. Daß diese Richtung nicht jedem Gemeindemitglied gefallen konnte, und auch manche tadelnde Stimme, laut wurde, ist eine hieraus leicht erklärbare Erscheinung“. Die Tadler kamen in der ״Allgemeine Ztg. des Judentums“ (1840 Nr. 35 ff) in überaus gehässigen, dabei gewandt und mit überlegenem Humor geschriebenen Artikeln zu Wort..