Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Kassel nach der Fremdherrschaft
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 596 (sequence 10)
- Language
- German
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596 Felix Lazarus lähmend auf der Gemeinde Kassel gelegen hatte, machte besseren Verdienstmöglichkeiten Platz. Sei es, daß die Erreichung des großen politischen Zieles um 1833, die Geister beflügelte, sei es, daß die allmähliche Abtragung der hohen Zollmauern und die fühlbare Erleichterung von wirtschaftlichem Druck befreiend wirkten, genug, neues Leben blühte auf. Man nahm die seit dem Ableben Josaphats immer dringlicher gewordene Aufgabe wieder in die Hand, das seit 1814 unbesetzte Landrabbineramt zu besetzen. Am 9. April 1833 wenden sich zahlreiche Gemeindemitglieder an den Vorstand mit dem Wunsche, dem streng frommen Kreisrabbiner Wetzlar zu Gudensberg1 das Landrabbinat zu übertragen. Während es sich bei der Bewerbung von Wolff Maimon, dem Sohn des verstorbenen Oberlandrabbiners Moses Leffmann Maimon zu Friedberg um einen nicht ernst zu nehmenden Kandidaten handelt2, treteil zwei ändere auf, die eine große Anhängerschaft für sich gewinnen. Der Kandidat der Orthodoxen, Rabbinatskandidat Auerbach aus Bonn3, wird von verschiedenen Seiten aufs wärmste empfohlen. So einflußreiche Fürsprecher stehen ihm freilich nicht zur Seite, wie dem liberalen Landrabbiner als 1834 der Preußisch-Deutsche Zollverein zum Abschluß gelangte, konnten die wirtschaftlichen Kräfte sich voll entfalten. * Mordechai Marcus Wetzlar, geboren 1800 zu Fulda, gest. 2. Tebetli (28. 12.)188ל in Frankfurt am Main. J. M. Japhet entwirft in ,,Erinnerungen an Rabbi Mordechai Wetzlar“ ein liebevolles Bild seines verewigten Freundes, dessen Beziehungen zu Romann er ausführlich schildert. (Jahrb. d. J. Lit. Ges.“ XXII, S. 245 ff, Löwenstein, ״Rabbinat Hanau“, S. 74.) Be* reits 1829 war Ws. Bewerbung abschläglich beschieden worden. Jetzt tauchte auch der Plan auf, ihn als nominellen Rabbiner und Moses Büdinger,. der mit Pinhas Verwandt und befreundet war, als Prediger anzustellen. Ein Vorhaben, das an W.s Weigerung gescheitert sein soll. (S. Japhet a. a. O. S. 272.) 2 Maimon behauptet der Regierung gegenüber, er verwalte seit 1824 die Oberlandrabbinerstelle zu Hessen-Cassel provisorisch. 1822 sei er durch Dr. Pinhas im Namen des Vorsteheramtes aus Würzburg, wo er 15 Jahre (!) studiert habe, berufen worden. Das Vorst.־-Amt berichtet, M. habe nie das Landrabbinat provisorisch verwaltet. Seine Berufung auf Dr. Pinhas sei unwahrhaft. 3 Benjamin A. (1808—1872). Er war in Neuwied geboren. Sein Vater Abr. A., wurde später Konsistorialrabb. in Bonn. 1834 wurde er zum Stadtu. Landrabbiner in Darmstadt gewählt. 1863 wurde er nach Halberstadt als Rabbiner berufen.