Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Kassel nach der Fremdherrschaft
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 593 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Kassel nach der Fremdherrschaft 593 Das hindert freilich nicht, daß das Kasseler Adreßbuch von 1828 die Bevölkerung charakteristisch genug in Personen männlichen, weiblichen Geschlechts und Juden einteilt. Schomburg zieht in seinem Expose gleichsam die Bilanz für das im ersten Jahrzehnt der Wirksamkeit des Gleichstellungsgesetzes Erreichte. Die gerechte Würdigung, die alle jüdischen Probleme erfahren, die hohe Anerkennung jüdischer Institutionen, vor allem auch der •,,Humanität“* 1, die für den Verfasser ganz selbstverständliche Berechtigung der Juden, die volle, unverkürzte Emancipation :zu fördern, ihres Anspruchs auf staatsbürgerliche und wirtschaftliche Gleichheit, stimmt ganz zu dem Bilde des Freiheitshelden, des größten Bürgermeisters, den Kassel gehabt hat. Die Judenschaft durfte mit der Bilanz zufrieden sein. Die französische Julirevolution übte ihre Wirkung auch auf Kurhessen aus. Stürmisch forderte das ganze Land die Einlösung des schon von Wilhelm I. nach den Freiheitskriegen gegebenen Versprechens einer Verfassung. Für die Juden handelte es sich darum-, im Rahmen derselben zugleich ihre Vollbürgerrechte zu verankern, statt durch ein Sondergesetz, das leicht Ausnahmebestimmungen bestehen lassen oder neue festsetzen konnte2. Das ist der Höheist an die Stadt Hannover gerichtet, die den Wunsch ausgesprochen hat, die Erfahrungen kennen zu lernen, welche man in Kassel und Hessen überhaupt mit den Judengesetzen gemacht habe. Er findet Worte warmen Lobes für die auf Pinhas Betreiben begründete isr. Volksschule und das Lehrerseminar und erhofft eine Besserung der kirchlichen und religiösen Zustände für die Zukunft, wenn die verbesserten Unterrichtsanstalten ihre Wirkung auf das Bildungsniveau der Gemeindemitglieder haben äußern können. 1 Begründet 1802 von Dr. med. Lucius Liffmann. Förderung des Handwerks, Erziehung und Ausbildung bedürftiger israelitischer Knaben und Jünglinge gehören zu den Hauptzwecken des Vereins. 2 Das Vorsteheramt von Mederhessen wie das von Obörhessen richteten Gesuche an das Ministerium. Die Kasseler Gemeindeältesten desgleichen. (Gem.-Akten.) Nach Proklamierung der Verfassungsürkünde entfaltete P. eine fieberhafte Tätigkeit. Eine Flut von Bittschriften, *hinter denen wohl meist seine machtvolle Persönlichkeit stand, ergoß sich über die Stände Versammlung. Einige seien genannt. ,,Wünsche u. Bitten mehrerer israelitischen Gemeinden in. Kurhessen.“ Cassel 1831. ,,Auszug aus einem Berichte des isr. Vorsteheramts zu Cassel über die bürgerlichen Verhältnisse der isr. Glaubensgenossen etc.“ Cassel 1832. ,,Beiträge zur Sache der bürgerlichen Verhältnisse der Israeliten in Kur- Monatsschrift, 78. Jahrgang 88