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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 591

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Kassel nach der Fremdherrschaft
Date
1934-01-01
Page
Seite 591 (sequence 5)
Language
German
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Kassel nach der Fremdherrschaft 591 genannt werden, tritt zwar ebenfalls für einen Oberrabbiner ein, läuft aber auch Sturm gegen das 1824 begründete isr. Lehrerseminar und gegen die isr. Schulen. Die Gemeinden seien verarmt, ja Bettler. Die jüdische Jugend müsse, wie in Frankreich, die christlichen Schulen besuchen. Durch das Vorsteheramt, das den Gemeinden unnötige Kosten verursache, werde die längst veraltete Idee eines Judenstaats im christlichen Staat künstlich erhalten. Das religiöse Milieu der Zeit um 1817 schildert der spätere erste Kasseler Seininarieiter Dr. Moses Büdinger in der Zeitschrift ״Sulamith“* 1. Die Kurhessische Judenschaft war nach ihm ״eine hirtenlose Herde“. ,,Nicht einmal einen Rabbiner (dieses Prädikat nämlich von einem wirklichen Vorsteher und Führer des Religionswesens, nicht aber bloß dem Namen und den Einkünften nach verstanden!) hat die Judenschaft dieses Landes.“ Eine Persönlichkeit wie Josaphat, die vom Zeitgeist auch nicht einen Hauch verspürt hatte2, war in der Tat den Aufgaben des Amtes nicht gewachsen. Weltfremd wie er war, hatte er weder über seine Bestallung als Stadtrabbiner noch als provisorischer Landrabbiner etwas Schriftliches in Händen, wie er selbst angab. Wie wenig seine Autorität den Kasseler Gemeindeältesten bedeutete, geht schon daraus hervor, daß sie den Mizwothverkauf in der Synagoge untersagen, ohne ihn überhaupt zu fragen, daß sie sich in einem anderen Fall einfach über seinen Kopf weg an einen fremden Rabbiner, Sontheimer in Hanau, wenden. Auf eine Anfrage des Vorsteheramtes erstattet J. in rabbiner von Anhalt-Bernburg berufen, wo er am 25. 12. 1884 starb. S. S. Salfeld, ,,Dr. Salomon H., ein Lebensbild“, Frankfurt a. M. 1885. 1 Sulamith, Y. Jahrg., I. Bd., S. 198 ff. Der Artikel ist mit M. B—r unterzeichnet. 2 Das Kassel vor hundert Jahren hat in Salomo Mosenthal (1821—1811) einen Dichter gefunden, der auf dem Gebiet der Novelle echte Künstlerschaft erreicht hat. In ״Rafs Mine“ entwirft er ein mit Liebe gezeichnetes Bild des ״alten Raf“ (Josaphats), der in ״Benarys Schul“, einem in einem dunklen Hof gelegenen, von langjährigem. Öllampendunst geschwärzten Saal, jeden Sabbat eine kurze Drösche hielt, in hebräischer Sprache einen Bibelvers oder eine Talmudsatzung scharfsinnig auslegend. ״Um die Glaubens- und Reformfragen, die langsam die Gemeinde zu zersplittern begannen, kümmerte sich der alte Gelehrte nicht,“

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