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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 589

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Kassel nach der Fremdherrschaft
Date
1934-01-01
Page
Seite 589 (sequence 3)
Language
German
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Kassel nach der Fremdherrschaft 589 der Gewählte dem Landesfürsten vorgeschlagen und nach der Bestätigung durch die Oberrentkammer verpflichtet. Zum großen Mißvergnügen der liberalen Kreise ging aus der Wahl Samuel Levy Josaphat als■ Landrabbiner hervor. Für ihn hatte .gesprochen, daß er bei• dem großen Brande in Witzenhausen1 sein ganzes Vermögen verloren und sich trotzdem geweigert habe, von dem Konsistorium eine mit 500 Rthlrn. dotierte Rabbinerstelle anzunehmen, daß seine Vorfahren schon seit 100 Jahren Hessische Schutzjuden gewesen seien2, daß er in Metz rabbinischen Studien obgelegen habe. Am 1. Oktober 1818 berichtet die judenscliaftliche Kommission über die Wahl. Nach ihrem Urteil besitzt Josaphat für das verantwortungsvolle Amt nicht die Befähigung. Sie empfiehlt den von den Deputierten an erster Stelle vorgeschlagenen Hanauer Rabbiner. Bereits am 20. Oktober 1818 erfolgt Sontheimers Bestallung. Da er aber,, wohl mit Rücksicht auf die heftigen Streitigkeiten in Kassel, ablehnt3, so bleibt das Amt noch auf längere Zeit hinaus unbesetzt4. 1831 drängt die Regierung auf öffentliche Ausschreibung der Stelle. Schon 1828 hat der Minister um Vorschläge ersucht. 1829 war er deutlicher geworden und hatte dem seit 1823 installierten Vorsteheramt mit Zwangsmaßnahmen gedroht. Aus 1 1811. Bei dem Brande war auch die Synagoge ein Raub der Flammen geworden. Das Konsistorium veranstaltete eine Sammlung. 2 1622 stellt Landgraf Moritz für einen in Bovenden, einem Hessischen Flecken bei Göttingen, wohnenden Josaphat einen Schutzbrief aus. Vgl. auch ,,Israelit'1910 ־, Nr. 50 ,,die Vorfahren des Barons Reuter“. 3 Reg. 55, Staatsarchiv Marburg. Vorsteheramtsakten in Kassel. A II 5. Übrigens zog man in Kassel auch nach der Ablehnung den Hanauer noch mehrfach in wichtigen Fragen zu Rate. So wird er 1819 zu einer wichtigen Konferenz nach dort berufen (Jahrb. d. J. L. G. XXII, S, 248). 1822 macht er großzügige Vorschläge zur Begründung einer dreiklassigen Schule in Kassel und zur Trennung von Lehrer- und Schächteramt. (Vorsteheramtsakten B II 8.) 4 1829 wird die Bewerbung Marcus Wetzlars aus Fulda, 1830 die des Provinzialrabbinen Gosen in Marburg sowie das Gesuch von Samuel Meyer aus Hechingen auf den Bericht des Vor Steher amt es hin zurückgewiesen. Vergehens wies Meyer auf ein Attest des Moses Rheingauheim, ,,Seniors der rabbinischen Hochschule zu Mannheim“, und auf die von ihm gehörten Vorlesungen über Euklid, Tacitus, Sophokles, Staatswissenschalten, Weltgeschichte, Physik, Botanik etc. hin.

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