Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Pfefferkorns Sendschreiben von 1510
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 582 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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§82 M. Spanier Es sei mir hier eine Einschaltung über das eben genannte Buch gestattet. Rhomanus, ein leidenschaftlicher Judenfeind, richtet sein Hauptgeschoß gegen den päpstlichen Legaten Aleander, den er abwechselnd als Juden oder als getauften Juden bezeichnet. Rhomanus hatte ein Stück des Pfefferkornschen Sendschreibens vor sich; aber er kannte auch die von den Hurnanisten zur Schädigung Pfefferkorns in weite Verbreitung gesetzte Schrift ,,Geschieht vnd bekenntnuß“ jenes in Halle 1514 hingerichteten ,,Pfaffen Rapp“, den man boshafterweise mit Johannes Pfefferkorn identifizierte. Daß Pfefferkorn in seiner Beschirmung und im Streitbüchlein (1516) sich gegen diese unsinnige Verleumdüng gewandt hatte, wußte Rhomanus nicht, und so meint er, daß Pfefferkorn, dessen Wirken zur Vernichtung der jüdischen Bücher er mit Benutzung des Sendschreibens rühmt, sich ,,vmb güis vnd gelts willen (als von Aleander auch zu vermuten) in die Judscheit versenckt“ und wegen seiner Ketzerei auf dem Judenkirchhof gebraten sei ,,vnd züuor mit gluenden zangen etlich mal vß seinem leyb gerissen (O getauffter Jud, wie gefeit dir das)“. All die unglaublichen Schandtaten des vermeintlichen Pfefferkorn1 werden nach jenem seltsamen Prozeßbericht ausführlich abgedruckt. Aber trotz seiner Abneigung gegen Juden und Getaufte berichtet Rhomanus in einer auch sonst interessanten Stelle seines Buches (C2b) von seinem vergeblichen Taufbemühen: ״Ein Jud saß zu Hatten im Rinckaw/von den! ich vil erfür (do das selbig dorff bran) vnd sein sproch bey im lernte/wie wol ich ein abscheuhen hat/ zu dem sprach ich/er solt Christen werden/ich wolt in mit seinem gesinde tauffen. Sprach er (So lebis) Ich waer Gristian von meinen eitern erbom vnd erzogen/waer mir vnmüglich vnd schwaer einen andern glauben (wann ich schon fürwar wißte besser zu sein) zu empfahen vnd annemen/ dann den ich von meinen eitern empfangen, hette vnd: lebte. Also waer irem geschlecht auch vnd allen Juden /wann sie schon bessern glauben wißten/so vermeinten sie vnd glaubten nit/dann den sie von iren eitern empfangen hetten in der Jüdscheit. Vnd ob sich schon etlich Juden liessen tauffen/vnd gewonten bey den Christen/ 1 Vgl. meine Ausführungen im Elsaß-Lothringischen Jahrbuch, 11. Band (1932), S. 104.