Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein jüdisch-hellenistischer Midrasch über den Auszug aus Ägypten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 570 (sequence 13)
- Language
- German
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570 Edmund Stein spielen, wo von einer ״wahrhaft ohnmächtigen Nacht aus der ohnmächtigen Unterwelt (Sabvvdxov ״A1S0׳u) die Rede ist. Endlich sucht der Prediger eine eigene Deutung zu geben; sie ist eine symbolische, wie sie im alexandrinischen Judentum lange vor Philo heimisch war. ״Jene dagegen verdienten es des Lichts beraubt und in Finsternis verwahrt zu werden, die Deine Söhne eingeschlossen gehalten hatten, durch welche der Welt das unvergängliche Licht des Gesetzes gegeben werden sollte" (I84). Ein bekanntes biblisches Gleichnis (göttliches Gesetz- Licht Ps. 119! 5, Proverb. 623) hat dieser hübschen symbolischagadischen Deutung der ägyptischen Finsternis Pate gestanden. Der Hang des Predigers zur Symbolik gelangt auch in V. 21 zur Geltung. ״Nur über jene (die Ägypter) war schwere Nacht ausgespannt, ein Bild der Finsternis, die sie aufnehmen sollte". Gemeint ist wahrscheinlich die Finsternis des Scheol-Hades, für welche die ägyptische Plage als Vorzeichen (ebtoov) aufgefaßt wird1. Als antithetisches Korrelat zur ägyptischen Finsternis wird die ״feuerflammende Säule" in der Wüste angeführt (183). Wie der ägyptischen Finsternis ein symbolischer Sinn beigelegt wird, wird auch die Feuersäule in einem anderen Teile der Sapientia symbolisch, vielleicht gar allegorisch, gedeutet, indem die leuchtende Feuersäule als Bild, bezw. Sinnbild für die göttliche Weisheit angesehen wird2. Wie im pal. Midrasch wird auch in unserer Homilie mit der Plage der Finsternis die heikle Frage betreffs der sog. ägyptischen Beute, ביזת מצרים in Verbindung gebracht. Nach Ex 1235-36 nahmen die Israeliten auf göttlichen Befehl ihren ägyptischen Nachbarn verschiedene kostbare Geräte ab. Wie durften sich die Israeliten fremdes Gut aneignen? — lautet der alte Vorwurf 1 Eine ähnliche Wendung bei Philo Vita Mos. I § 138: izapovza vc1|nWcs; dpyjqv eben, 1m£dv<uv (xax0)v). Zum ganzen Satze Sap. 1721, .also auch zu den Worten e«u־c01<; ok 9jaav ßapoxspot oxotoüc, vgl. meine Abhandlung Alleg. Exegese 14. 2 1017 (>} oofia) spvsxo ab-oTc, st; <pX6ya «3־cpwv v/jv vuxia. Eine Allegorie findet darin Drumond, Philo Judaeus II 268. Vgl. auch Gfrörer, Philo und die alexandrinische Theosophie II 209. Anders Heinisch, Die griech. Philosophie im Buche der Weisheit, S. 143, der m. E. zu Unrecht der Allegoristik in der Sap. fast gar keine Bedeutung einräumt.