Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein jüdisch-hellenistischer Midrasch über den Auszug aus Ägypten
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 563 (sequence 6)
- Language
- German
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Ein jüdisch-hellenistischer Midrasch über den Auszug aus Ägypten 563 Synkrisis (.מדה כנגד מדד) erfand er die zwiefache Synkrisis (מדד, כנגד מדד + מדת טובה כנגד מדת פורענות), wodurch die alte Deutungsweise gleichsam überholt war und dem dialektisch-homiletischen Vermögen des Predigers neuer Spielraum geschaffen wurde. Einen leisen Ansatz für die zweite Synkrisis könnte man auch im pal. Midrasch finden. Hier lesen wir: ,,Womit Gott Wunden schlägt, damit heilt Er. Wenn Gott Israel segnet, tut er das durch ,,Herabsehen“ (בהשקפה), wie es heißt: ,,Siehe herab (השקיפה) von Deiner heiligen Stätte, vom Himmel, und segne Dein Volk, Israel“ (Deut 2615), und als Gott die Ägypter strafen wollte, tat" er es gleichfalls durch ,,Herabsehen“ (בהשקפה), wie es heißt : ,,und Gott sah herab (וישקף) in das Lager der Ägypter"' (Ex 1424) (Mech. z. St. ed. Hör.—Rab. 108). Am Anfang dieser Agada (־(הקב״ה במד, שהוא מבד. הוא מרפא sind wir auf dem besten Wege zur zweiten, positiven Synkrisis von מ״ט כ״מפ, jedoch scheint hier der Grundsatz ,,Gott heilt, womit er verwundet“ nicht richtig verwendet zu sein1. Überdies ist die darauf folgende Synkrisis eine rein verbale. Nicht auf die eigentliche Strafe der Ägypter, bezw. auf die Belohnung Israels, kommt es an, sondern auf den Ausdruck (השקפה), mit dem sie in der hl. Schrift angeführt wird. Die verbale Synkrisis ist im pal. Midrasch auch sonst ziemlich häufig2 und hat mit der sachlichen, qualitativen Synkrisis wenig zu tun. Das Neue in unserem hellenistischen Midrasch über den Auszug aus Ägypten war daher die Anwendung der qualitativen Synkrisis im Hinblick auf das Prinzip von der Gleichartigkeit der Strafe für den Frevler und der Belohnung des Gerechten. Im Vorangehenden sahen wir, daß unser Midrasch über den Auszug aus Ägypten einerseits im Grundgedanken der pal. 1 Der ursprüngliche Sinn war anscheinend nur der, daß der Mensch von Gott nur dadurch erlöst wird, wodurch er vorher heimgesucht wurde. Das Objekt bleibt dabei dasselbe. Vgl. Midrasch Lev. XVIII (Ende): .הקב״ה במד, שהוא מכה הוא מרפא שנאמר כי אעלה ארוכה לך וממכותיך ארפאך Aus dem Zusammenhänge ergibt sich klar, daß von einem Objektwechsel, wie in der Mechilta, nicht die Hede sein kann. 2 z. B. — um beim Thema zu bleiben — Midr. Ex. rab. XXIII, 3: .. אמר משה לפני הקב״ה יודע אני שחטאתי לפניך באן.;. וכך אני משבחך באו An־ dere verbale Synkriseis in der talmudischen Literatur bei Jacob 100 f. Jacob führt diese verbale Analogie auf die exegetische Regel des Isorrhems (,,Gesera schawae<) zurück. 36*