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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 562

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein jüdisch-hellenistischer Midrasch über den Auszug aus Ägypten
Date
1934-01-01
Page
Seite 562 (sequence 5)
Language
German
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562 Edmund Stein leicht durchführen. Da die Ägypter den Israeliten die neugeborenen Kinder männlichen Geschlechtes abnehmen und ins Wasser werfen ließen (Ex 122), wurde ihnen das Wasser in Blut verwandelt. ״Jene wurden durch Mordblut in Schrecken gesetzt, zur Strafe für den kindermörderischen Befehl“ (116f.). Das läßt sich anhören. Wie verhält es sich aber mit der Antithese von פד&כמ״פ? Klingt es nicht sonderbar, wenn es heißt, daß das Wasser, welches den Hebräern in der Wüste auf wunderbare Weise beschert wurde, die Ägypter an ihre ״Wassersünde“ gemahnen sollte (1113)? Es genügt nicht festzustellen, daß der Verfasser der Sap. ״an Spitzfindigkeiten Freude habe“1; vielmehr gilt es die Methode klarzulegen, deren sich der Prediger bedient. Aufschlußreich dürfte die pal. Agada sein, die zwar in jüngeren Sammlungen erhalten ist, jedoch z. T. auf ältere Quellen zurückgeht. Sämtliche ägyptische Plagen werden hier im Sinne von מכ״מ gedeutet. So lautet beispielsweise die Deutung der ersten Plage: die Ägypter wollten die Israeliten zu Wasserträgern machen, deswegen wurden sie durch Wasser gestraft2. Nach einer anderen Agada war die Blutplage Strafe dafür, daß die Ägypter den jüdischen Frauen das rituelle Tauchbad verweigerten, um sie vbn ihren Männern fernzuhalten3. Für die synkritische (vergleichende) Betrachtungsweise finden sich bereits Ansätze im älteren, talmudischen Midrasch. So heißt es Mechiita zu Ex 1416 ed. Horovitz—Rabin 116 ״(Gott spricht), wodurch die Ägypter Israel zu vernichten suchten, dadurch werde ich sie richten“. Die angeführten jüngeren Midraschim dürfen somit als Versuch aufgefaßt werden, die genannte Synkrisis im einzelnen durchzuführen. War so die synkritische Deutung inbezug auf die ägyptischen Plagen gegeben, dann blieb dem hellenistischen Prediger im großen ganzen nichts mehr übrig, als sie schlechthin in seine Predigt aufzunehmen und entsprechend zu verwenden. Jedoch das genügte dem Prediger bei weitem nicht. Statt der alten einfachen 1 K. Siegfried. Die Weisheit Salomos bei Kautzsch, Die Apokryphen und Pseudepigraphen des AT, I zu Sap. 1112. 2 Midrasch Tanchuma ed. Buber Bo 5. 3 Seder El. rabba Kap. 8, ed. Eriedmann 40. Die einfachere, offenbar ursprünglichere Fassung in Ex. r. IX.

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