Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 560

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein jüdisch-hellenistischer Midrasch über den Auszug aus Ägypten
Date
1934-01-01
Page
Seite 560 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830006-2839237--53078-2839270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

560 Edmund Stein entspricht dem biblischen Talion-Prinzip ,,Auge um■ Auge“. Während im Talmud die Tendenz vorherrscht, die menschliche Talion abzuschaffen und durch eine Geldbuße, zu ersetzen* 1,: bleibt die göttliche Talion aufrecht erhalten. Auf diesen Unterschied in der Behandlung der menschlichen und der göttlichen Talion im talmudischen Schrifttum haben bereits Aptowitzer2, Jacob3 und namentlich Heinemann4 hinge wiesen. Zwei Gründe dürften dafür bestimmend gewesen sein. Erstens war es das Bewußtsein von der Unzulänglichkeit des menschlichen Verstandes, die strafbare Handlung und zumal die begleitenden Umstände genau zu erforschen, was nur Gott, ,,der die Nieren prüft“ möglich ist5. Zweitens soll die Analogie zwischen Vergehen und Strafe zur Anerkennung der göttlichen Vorsehung führen. ,,Die das Ende des Frevlers begleitenden Umstände lassen den Zuschauer und Hörer in dem sich ihm aufdrängenden Parallelismus erschüttert das Walten einer höheren Macht ahnen, die solchergestalt Tat und Erleiden verknüpft“6. Hierzu gehört der Gemeinplatz De morte persecutorum in der jüdisch-hellenistischen Literatur, So zeichnet das II. Makkabäerbuch die Leiden des grausamen Tyrannen Antiochus Epiphanes7 und Philo das Ende des judenfeindlichen Statt- 1929, 100 ff. Bezüglich der ägyptischen Plagen Hauptstellen Mechilta zu Exodus 142fi, ed. Horovitz-Käbin 116, Tanchuma ed. Buber Bo 5, S. 43 und Seder Eliahu rabba Kap. 8, ed. Friedmann S. 40—43. 1 Hauptstellen Baba Qamma 83 b f. S. J. Horovitz, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Judaica, Festschrift für Hermann Cohen 1912, 609 ff. 2 Aptowitzer, Kain und Abel, S. 149. 3 Jacob 142. 4 I. Heinemann, Phiions griechische und jüdische Bildung, Breslau 1932, 366. 5 Dasselbe Motiv war auch für die Einschränkung der Todesstrafe, Mischnah Makkot I 10, bestimmend. 6 Jacob 100. Ähnlich Heinemann 366 im Hinblick auf den Unterschied zwischen der himmlischen und irdischen Talion in der antiken Welt im allgemeinen. Diesen Gedanken finde ich nunmehr bereits bei Crescas, Or Adona, III 3,1, der der himmlischen Talion den Zweck einer ״machtigen Anleitung"6 (הערך, עצו&דן) zuschreibt, und zwar in Zusammenhang mit den ägyptischen Plagen. Von Crescas ist wahrscheinlich Aibo, Iqqarim IV 9 abhängig. 7 II Makkab. 95. Vgl. auch 59f., 833, 13g.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.