Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 557 (sequence 13)
- Language
- German
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Ein Gedicht Ch. X. BiaLiks 557 mit gewissen Ausnahmen, so schwer genießbar macht, noch natürlieh die arabisierende Reim« und Metrum-Scholastik der Spanier, innerhalb derer nur Jehuda Halevi den ganz echten Dichterrang behauptet, und schließlich auch weder der Bibelpurismus der Vorgänger noch die z. T. schon traditionsarme Sprache der Nachfolger Bialiks. Es ist kein Belegen durch den Bibelvers wie bei den Spaniern, kein Spiel mit ihm, wie bei den Pajetanim und, wieder anders, bei den Maskilim, sondern eine Einschmelzung seines noch erkennbar bleibenden und nachwirkenden Gehalts in die eigene Sprach-, Gefühls- und Gedankenwelt. Dabei wird gerade das Naheliegende und* Bekannte, das auch örtlich Benachbarte bevorzugt. Ein Analogon zu dieser Haltung findet man am ersten — in der Bibel selbst: es ist die Art, wie die Propheten gelegentlich, mit ironischer Umsetzung der Wertakzente, die Thora zitieren. So, wenn etwa Jeremias (3S) zum Volk spricht: ,,Siehe, du hast gesprochen und vollführt die bösen Taten, und hast es vermocht“, bei welchem negativem ותוכל den Hörern (!) jenes positivste von Jakob-Israels siegreichem Gotteskampf (Gen 3229) in den Ohren nachklingen mußte. Oder, noch deutlicher, wenn Hosea sagt (124): Mutterleibe betrog (ענןב) er seinen Bruder, und in seiner Manneskraft rang (שרה) er mit Gott“1, was durch 1213: ,,Und Jakob floh nach den Feldern Syriens, er diente Israel um eine Frau und um eine Frau hütete er“ wohl nach der negativen Wertsetzung hin ergänzt wird. So frei und souverän etwa ist auch Bialiks Stellung zu den Versen der Bibel. Sie sprechen zu ihm — und er spricht mit ihnen. Das Ergebnis dieses Gesprächs sind seine Gedichte. Dieses aber, daß er ,,frei ist auch vom Rausche der Freiheit“ — wie er einmal, sehr zu unrecht, der nach ihm kommenden jüngeren hebräischen Dichtergeneration nachgerühmt hat, obwohl es viel mehr von ihm selbst gilt — dieses neue, freie und positive Verhältnis zu Bibel und Ueberlieferung sichert zwar 1 Bialik selbst verwendet diesen Vers einmal ironisch, und zwar in der Teilübersetzung — deren genaue, sehr aufschlußreiche Sprachanalyse demnächst vorgelegt werden soll: er läßt dort den prahlerischen Frießhart sein ״Wir haben mit dem See gefochten, Freund** (V. 200ל) wie folgt sagen: ־>שרה ע\די3ו עם הןא1ר ונם;כלנו׳ רע.