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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 556

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
Date
1934-01-01
Page
Seite 556 (sequence 12)
Language
German
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556 Ernst Simon dem Auge offenbarte, so hier seine elend gewordene Sch ׳China mit ihrer Träne auch dem Ohr . Und wir ahnen: sie wird siegen, den Dichter nicht loslassen, er, den das Jugenderlebnis ja als reifen Mann, mehr als ein Jahrzehnt nach der Trennung von der Jeschiwa, zu dieser dichterischen Gestaltung zwang, wird auf ׳' der Schwelle des Lehrhauses, על סף בית המדרש, bleiben, zunächst hinausschauend und strebend, dann wieder hineinblickend, und schließlich, ganz zuletzt, von der Aggada zur Mischna, zur Halacha, zum Sabbath fortschreitend, zögernd auch wieder sich hineinwagend. IV. Zusammenfassung und Folgerungen. Blicken wir von unserer Analyse auf das Ganze des Gedichtes zurück, lesen war es nun noch einmal, so sind wir, falls diese Darlegung ihr Ziel erreicht hat, etwa in der Situation des hebräischen Lesers, an den Bialik dachte. Nur derjenige gelangt zum vollen Verständnis dieser und aller ähnlichen Dichtung, dem man all das, was hier gesagt werden mußte — und es war eher zu wenig als zu viel! — nicht zu sagen braucht. Ihm entschließt sich dann das herrliche Gedicht als ein Ganzes, auch in seinem Formalen, dessen Betrachtung bisher zurücktreten mußte: in der bewußten, prosaisch ehrlichen Sparsamkeit des Reims — ,,so wahr wie Prosa“ nannte Franz Rosenzweig einmal ein Gedicht von Max Brod —, in der sanften Traurigkeit der leise abfallenden, stets mit dem Vorhergehenden eng im Satze verbundenen vierten Strophenzeilen, in dem Wechsel von trotzigen Daktylen und resignierten Anapästen, der manchmal an jenen genialen Ton-Fall bei Mörike gemahnt: ״Plötzlich da kommt es mir treuloser Knabe, Daß ich die Nacht von dir geträumet habe.“ Aber auch die Beantwortung unserer Eingangsfrage1 nach Bialiks Platz in der Geschichte der hebräischen Sprache und Literatur, nach der Sonderart seiner Meliza, wird nun eher möglich sein. Bestimmen wir es zunächst negativ: es waltet hier weder das Suchen nach dem möglichst seltenen Wort, das die Pajetanim, 1 S. 548.

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