Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 552 (sequence 8)
- Language
- German
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552 Ernst Simon Z. 7. Aber mehr: die Sch'china bebt! Wir lernten das Wort schon aus der Danielstelle für unseren Zusammenhang denken, aber nun erst läßt sich eine andere Beziehung verstehen: die zu Ex 1918 : dem Beben des Volkes vor dem bebenden Offenbarungsberge Sinai. Es ist die umgekehrte O f f e n b a r u n g s s i t u a t i o n, die Verlorenheit der Offenbarung in der unendlichen Zeit der Verbannung, ihre Verstockung im engen Raume des Ghettos und seinen Lehrhauses, die hier von der Sprache des Gedichtes ganz unbegrifflich, aber völlig exakt und eindeutig ausgesagt wird1. Z. 8. Die letzte Zeile dieser Strophe überträgt, wie ein leiseres Echo, jene Vertauschung zwischen Gott und Mensch wieder ins Innermenschliche: auch Isaak bat ja gebebt, als ihm Jakobs Betrug bewußt ward (Gen 2733), und u m ihn —- den Sohn, den einzigen (Gen 222) — wird hier im Gedicht nun in der Gestalt der feinen Nachfahren von Gott gebebt, denn beider Lage ist ähnlich: gehen auch sie noch verloren, so ist der ewige — der erste oder der letzte — Sohn und Bürge des Thora Volkes aus der Welt geschwunden. Wir können Z. 11. schon hier vorwegnehmen, daß die Sch'china sich so mit Schatten bedeckt — ותתכם — wie Rebekka mit dem Schleier, als sie Isaaks ansichtig wird (Gen 2465). Was ist das Schicksal dieser göttlichen Frau? Z. 9. Warum ist sie so einsam? Sie empfing den Scheidebrief von ihrem göttlichen Herrn. Das prophetische Motiv, das besonders charakteristisch für Hosea und Jeremia (Kap. 3!) ist, dort aber natürlich nur auf das Volk Israel oder das Land bezogen ist, wird hier auf die Sch ,china selbst übertragen. Vermittler ist wieder der Midrasch, insbesondere der zum Hohen Liede2, auf das unser Gedicht einmal mit dem allein hier vorkommenden 1 דע לבי% Z. 7, ist aus Koh 722, aber inhaltlich hier bedeutungslos. 2 Vgl. auch in Gen. r., Parscha 21 u. 22, ed. Theodor-Albeck, Berlin 1931, S. 202, die Erörterungen zu Gen 224; insbesondere die Formen: בבת בד,ן בבת ישראל שנתגרשה;שנתגרשה. All dies allerdings, ebenso wie die a. a. o. beigebrachten Parallelen, immer auf den Menschen bezogen.