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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 550

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
Date
1934-01-01
Page
Seite 550 (sequence 6)
Language
German
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550 Ernst Simon im selben biblischen Gedicht —V. 11 — wird Gott mit einem Adler, die Menschen mit dessen Nestlingen Z 3> verglichen. Als ein Nestling גוזל—־ — ist der junge Talmudschüler ״vom ׳ Herzen“ vergessen worden — כעזוין|סתי מלב, ,,wie ein Toter“ nennt es der Psalm Z. 4. (31*3) —, vergessen ,,unter den Flügeln der Sch'china“. Dieser Ausdruck steht in der rabbiiiischen Sprache bekanntlich (nach Ruth212־) stereotyp für den Proselyten, was Bialik nicht hindert; ihn einmal, in einer seiner kühnen Verweltlichungen, an den Beginn eines Liebesliedes zu setzen: ,,הכניפצי תחת לכנויף“. Hier aber steht die Formel in religiöser Bedeutung, aber mit ironischer Umkehrung des Ursinns: der Proselyt steht am Eingang des Judentums, dieser zweifelnde Bachur vor dem Ausgang: denn nicht von Gott fühlt er sich j a vergessen, sondern von der Zeit. Gott denkt seiner mehr, als ihm lieb ist. ,,Einsam, einsam“ blieb er zurück. Mit dem Z. 5. Worte ,,בדד“ betreten wir den Sprachraum des Propheten Jeremia (1517: מ0צי ידך בדד ישבתי),: der ihm zugeschriebenen Klagelieder (Thr 1!; 328) und des Midrasch zu איכא. Die Klage des Propheten gegen den ihn vereinsamenden Gott träfe am ehesten üiimittelbär das hier vorwaltende Gefühl, wäre sie nicht von einem ganz änderen Pathos getrageii. Wieder aber stoßen wir auf das Phänomen der Ü m k e h r u n g: wie in den Klageliederii Jerusalem einsam sitzt, so hier der Mensch; wie in Daniel (iÖ7 ff) — wo wir drei Weitere Motivworte Z. 5—8. dieser Strophe: ‘חדדה ,נשארתי und מרעיד z u s a m m e n vorfinden1 — der Mensch zittert unÄ bebt, sö hier die Sch ,china. Doch nur dem biblischen Tatbestand gegenüber ergibt sich eine Vertauschung des da jeweils von Gott und vom Menschen Aüsgesagten: dem rabbinischen '; gegenüber lediglich eiiie Steigerung und Radikalisierung dört schon häufiger Motive. וראיתי אני: דניאל לבדי את המדאה; אבל תרדה גדולה נפלר!■ עלוחס דבדחו 1 ,׳ בהחבא-וא3:י.נ שארתי לבדי ואראה.M המראה הגדולה הזאת:.. v •והגה יד נגעה בי י...• ־•;v'v ובדברו עמי• את הדבר הזה עמדתי מרעיד.

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