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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 549

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
Date
1934-01-01
Page
Seite 549 (sequence 5)
Language
German
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Ein Gedicht Ch. N, Bialiks 549 zu weit gespannt werden kann -— Bialiks Zentrum nach seinem eigenen Selbstverständnis noch mit umschließt, bezeugen u. a. einige Sätze aus einer Rede über seine ,,Feuerrolle“ (מגלת האש), gehalten em Tel-Aviver Lehrerverein am 15. Februar 19331. Dort erzählt'Bialik von einem in Berlin wohnhaften'Kommentator seiner Gedichte, der ,,sich bemüht, die Wurzeln der Worte, der Erklärungen und der Wortverbindungen“ in all unsern alten Quellen, bis hin zu Kabbala und Folklore, aufzudecken, wobei es ihm oft glücke, des Dichters eigentliche Absicht zu treffen, manchmal aber auch diesem selbst seine verborgene Absicht zu offenbaren. ,,Er deckte mir die Quellen auf, und ich fühlte, daß er recht hatte, denn als das betreffende Werk entstanden war, war es mir schon so vorgekommen, daß es hinter ihm irgend ein mir bekanntes Echo gebe, und nun fand er, woher das Echo kam“2. Versuchen wir, mit unseren zweifellos schwächeren Kräften, es diesem von Bialik ungenannt gebliebenen Erklärer nachzutun! III. Kommentar und Deutung. Z. 1. Gleich die erste Zeile spricht das Doppelmotiv des Gedichtes aus: die ambivalente Haßliebe zum Lehrhaus: der Wind erhebt, aber das Licht (der positive Gegenbegriff zum Schatten des Lehrhauses) rafft fort3. Z. 2. Das Licht, das neue Lied, beinahe auch der Morgen des Lebens selbst sind Mächte der Verführung. Und dies neue Lied ließ den Lebensmorgen der einstigen Mitschüler ,,erjubeln“: הרנינה, ein Wort, das zunächst wohl, mehr als an alle biblischen Urwendungen des Stammes und der Form, an das alte Lied des Lernens, an רבבה של תורה, erinnern soll: jener Singsang der Thora muß nun verstummen. Aber kaum ist das Wort הרכינה aufgeklungen, da macht es mit dem Echo seiner vertrautesten Stimme aus Mosis Abschiedslied הרכינו גדם עמו — האזינו, Deut 324a — ein Bild aus dem gleichen ,Zusammenhang lebendig: 1 מאזנים, a. a. O., S. 348 ff. 2 S. 349. 3 Jtfach Pr 283 könnte man סחף hier sogar mit ״fällte“, ״stürzte“ wiedergeben, aber für B. stand wohl die talmudische Bedeutung, wie z. B. in נסתפחה שדהו, im Vordergrund.

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