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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 6 · p. Seite 548

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 6
Article
Ein Gedicht Ch. N. Bialiks
Date
1934-01-01
Page
Seite 548 (sequence 4)
Language
German
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548 Ernst Simon Daraus ergeben sich für die hebräische Literatur sprachliehe Erscheinungen, die man meist unter den Allgemeinbegriff des Musivstils —• סגנון המליצה — zusammenfaßt. Gerade dieser weitmaschige Begriff bedarf aber eingehenderer Untersuchung und Spaltung in mehrere engere Unterbegriffe. Allen Arten der מליצה gemeinsam ist der ,,Zitatencharakter“ von Dichtung und Prosa, dem sich von modernen europäischen Sprachen am meisten noch ein sehr gebildetes Englisch annähert, das in etwa gleichem Maße aus den griechisch-römischen Klassikern, der englischen Bibel und Shakespeare gespeist ist. Aber es macht einen großen Unterschied aus, was, wie und in welcher Bewußtseinslage zitiert wird. Die Bialik vorangehende Generation der maskilischen (aufklärerischen) Dichtung bevorzugte das Bibelzitat vor dem nachbiblischen aus einem weltanschaulichen Grunde: sie wollte durch dieses sprachliche Karäertum ihre Ablehnung der unmittelbaren Vergangenheit und Gegenwart demonstrieren, die inhaltlich und sprachlich vom Rabbinismus geprägt waren. Mendele Mocher Sfarim hat durch seine Beziehung zum Jiddischen, die auch sein Hebräisch mitfärbt,: Achad Haam hat durch seinen begriffeschaffenden Einschmelzungsprozeß, der den Zitaten gleichsam die unsichtbaren Anführungszeichen nahm, eine Wendung bewirkt/hinter der/Bialik schon steht. Wie er seinen Platz in der Geschichte der hebräischen Sprache und Dichtung ausfüllt, kann vielleicht mit am besten durch eine Analyse seiner sprachliehen Quellen aufgewiesen werden. Diese darf aber die gefundenen biblischen und nachbiblischen Motive nicht einfach als זכרי לשון, Spracherinnerungen, lexikalisch nebeneinanderreihen — wie es nicht selten im Hebräisch-Unterricht palästinensischer Schulen geschieht — sondern muß diejenigen AnkJänge ausfindig zu machen suchen, die entweder einen Gewußten Anspielungssinn oder doch zum mindesten einen unbewußten Assoziationsgehalt für die Dichtung selbst bergen1. Daß auch der zweite, weitere Umkreis — der natürlich leicht 1 Mit sehr glücklichem Takt ist so Erich Klibansky bei einer Interpretation von B.s ברכת עם verfahren, die er bei der Strümpfelbrunner Lernzeit der ״Mittelstelle für jüdische .Erwachsenenbildung“ gab und die hoffentlich bald im Druck erscheinen kann.

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