Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 517 (sequence 26)
- Language
- German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 517 der Blinde ״niemals Licht erblickt“ hätte, also von Geburt an blind war, so ist die völlige Abwesenheit der Lichtmeditation bei ihm und deren Ersetzung durch eine auf unanschauliche Elemente wie die ,,Namen“ Gottes gerichtete begreiflich. Es ist aber ein ganz natürlicher Prozeß, daß das anschauliche Element, daß Licht und Farben-Symbolik sich dann doch wieder geltend machten. Diese Elemente stehen mitunter relativ beziehungslos nebeneinander, wie eben in dem soeben mitgeteilten Text, mitunter aber treten sie auch zusammen, und mit der auf Gottesnamen gerichteten Kawwana verbinden sich bestimmte farbenmystische Meditationen. In einem weiteren Aufsatz hoffe ich einen besonders deutlichen Beleg für diese Entwicklung Vorbringen zu können, ein dem Josef Gikatila zugeschriebenes, aber in Wirklichkeit späteres, Responsum über die Kawwana. Jedenfalls dürften die Elemente dieser Entwicklung in der hier vorgelegten Untersuchung vollständig dargelegt sein. Zum Verständnis der Wendung, die hier dem Motiv der Konformität des Willens gegeben wird; ist auch noch an Folgendes zu erinnern: Das Gebet steht als ״Opferdienst des Herzens“ an Stelle des Opfers. Die mystische Theorie des Opfers aber, die bei den Kabbalisten natürlicherweise eine große Rolle spielte, verstand das Wort קרבן Opfer, in seiner wörtlichen Bedeutung als ״Annäherung“ und Vereinigung1. In einem sehr alten Stück über die Theorie des Opfers aus dem Kreise des Nachmanides2 wird schon ganz in der auch hier benutzten Formulierung von einer ״Annäherung des unteren Willens an den oberen Willen durch das Opfer“ als dessen eigentlicher Absicht gesprochen, hier freilich noch ohne deutliche magische Komponente, denn das Opfer bedeutet jenem Autor nichts anderes als die Selbstopferung, 1 Zuerst im Buch Bahir § 78: ״Warum heißt das Opfer Korban? Weil es die heiligen Formen einander nahebringt“. Dies Nahebringen ist ihre Vereinigung in dem theosophischen Organismus der göttlichen Manifestationen. 2 In einer noch im 13. Jahrhundert redigierten Kollektaneensammlung, die z. B. in der Bodleiana 1945 und in der Hs. Christ Church College 198 in Oxford vorhanden ist. Ich zitiere nach der letzten Hs״ deren Photographie mir vorliegt.