Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 25)
- Language
- German
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516 Gerhard Scholem Willens) in ihn und zieht sich, so‘ wie (der Intendierende) will; zu dem beliebigen Gegenstand hin, um den er sich mit der Kraft seiner Kawwana anstrengt. Und er zieht den Ausfluß herab, der die Geheimnisse der Dinge1 2 und Wesenheiten^ auf dem Weg der ״Chochma‘* und mit dem Geist der ״Bina“ und der Festigkeit der ״Daath“ krönt3. Und in dem Maß, wie er sich mit dem Geist (Pneuma) bekleidet und seine Kawwana durch seine Worte erläutert, und (ihr) durch seine Handlungen ein Denkmal setzt, zieht er den Ausfluß von Stufe zu Stufe und von Ursache zu Ursache, bis seine Handlungen im Sinn seines Willens beendet werden. Und solcherart pflegten die Alten eine Weile vor dem Gebet in Betrachtung zuzubringen4 und alle übrigen Gedanken zu entfernen und die Wege ihrer Kawwana (während des folgenden Gebetes) und die Kraft, die auf deren Lenkung zu verwenden wäre, zu bestimmen. Und ebenso (aiuch) eine Weile während des Gebetes, um die Kawwana in der artikulierten Rede zu realisieren. Und ebenso eine Weile nach dem Gebet, um darüber zu meditieren, wie sie die Kraft der Kawwana, die in der Rede vollzogen (beendet) war, in die Wege der sichtbaren Handlungen lenken könnten. Und da sie wahrhaft Fromme waren, wurde ihre Thora Tat und ihr Werk gesegnet. Und dies ist der Weg von den Wegen der Prophetie, auf dem, wer sich mit ihm vertraut macht, zum Rang der Prophetie aufzusteigen vermag“. In dieser Beschreibung der Kawwana taucht ein Element auf, das in den oben analysierten Stücken noch fehlte: die Licht- Symbolik, die Meditation über die Stufen der theosophischen Welt der Lichter. Wenn die alte Nachricht5 wahr ist, daß Isaak 1 חפץ wird hier durcheinander in den drei Bedeutungen: Anliegen, Willensantrieb und Gegenstand gebraucht. 2 הויות der bei den Kabbalisten sehr geläufige Terminus für geistige Wesenheit, Substanz, genau den Begriffen oüria oder essentia nachgebildet. 3 Diese drei Sefiroth bezeichnen nach den Kabbalisten die Stufen des Her Vorgehens der Wesenheiten aller Dinge aus dem mystischen Nichts, das noch vor der ״Weisheit“ liegt: In Gottes ״Weisheit“ sind sie verborgen, in Gottes ״Nachdenken“ treten sie hervor, und in Gottes ״Erkenntnis“ gewinnen sie Gestalt (so oft in den Schriften der Kabbalisten von Gerona). 4 Mischna Berachoth V, 1. 5 In der oben angeführten Stelle aus Isaak von Akko.