Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 514 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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514 Gerhard Scholem das Licht, das sich verbirgt und sich vori einem Ding zu dessen Gegensatz verwandelt, (und es erscheint ihm manchmal) als Heimsuchung und (manchmal) als rechte Führung* 1. (All dies) je nach der Kawwana dessen, der sie auf rechte Weise zu vollziehen weiß: durch Anschluß des Gedankens und Willens2 3, der in seiner vollen Stärke aus dem1 Unergründlichen emaniert*. Denn nach der Intensität der Kawwana, mit der sie Stärke an sich zieht durch ihren Willen 1und Willen durch ihre Erkenntnis und Vorstellung durch ihr Denken und Kraft durch ihr Erreichen4 und Festigkeit durch ihre Besinnung, (und zwar) wenn keinerlei anderes Sinnen und Anliegen sich in sie mischt und ihr von der Macht, mit der sie gelenkt wird, Intensität zuwächst um den Strom (der Emanation), der aus dem Unendlichen (En Sof) kommt, an sich zu ziehen — (nach Maß solcher Intensität der Kawwana) vollzieht sich jedes Ding und jeder Akt nach seinem Sinn und seinem Willen: Wenn er nur die Grenzen der endlichen Dinge und die Absicht ihrer Ideen5 von dem Prinzip6 her, aus dem sie .stammen, zu umfassen weiß. Dann soll er sich mit der Kraft seiner Kawwana über sie erheben und in die Tiefe gehen, um den (gewöhnlichen) Weg von dessen Prinzip aus zu zerstören und einen neuen Weg nach seinem Willen zu bahnen: durch die Kraft seiner Kawwana, die aus der vollkommenen Herrlichkeit schwer mit dem Sinn, der ein Abstammungsverhältnis auszudrücken scheint, zu vereinbaren ist. 1 Ich verstehe יושר hier im Sinne von הישרה, der Weg zur Seligkeit, im Gegensatz zu תוכחות מוסר, den Heimsuchungen dessen, der von dieser rechten Bahn abweicht. 2 Durch Anschluß und Hingabe דבקות des Denkens und Willens an das göttliche Denken und den göttlichen Willen. 3 המשך ist einer der prägnanten Ausdrücke für ״emanieren“ in der Kabbala. 4 Nämlich durch ihr Hingelangen zum Urquell des Willens oder zum Unendlichen. In diesem Sinne wurde הגיע zum Teil ja auch in den früher besprochenen Stellen schon verwendet. 5 Oder: den ihren Gedanken innewohnenden Willen. רצון המחשבה ist eine nur in der kabbalistischen Literatur (bei den Kabbalisten in Gerona und deren Nachfolgern, auch im Sohar) vorkommende Wendung. 6 עקר vereinigt im kabbalistischen Sprachgebrauch die drei Bedeutungen: Prinzip, Urgrund, Wurzel.