Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 513 (sequence 22)
- Language
- German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 513 Licht1 und ihm gegenüber ein Thron und darauf ein ״gutes“ Licht2, und stehst du zwischen ihnen und willst Rache, so wende dich dem ״Glanz“ zu, und willst du Liebe, so wende dich dem ״Guten“ zu, und was aus deinen Lippen kommt, seinem Antlitz zugewandt. Und wende dich nach rechts, und du findest ,,reines“ Licht3, nach links, und du findest eine Aura, die das ״ausstrahlende“ Licht4 ist. Und zwischen ihnen und über ihnen das Licht der Herrlichkeit, und um es das Licht des Lebens5. Und über ihm die Krone des Lichtes, das die Anliegen der Gedanken krönt6, die Wege der Vorstellungen erleuchtet und den Glanz der Visionen beglänzt. Und dies Leuchten ist unergründlich und unendlich, und aus seiner vollkommenen Herrlichkeit kommen Gnade und ,Segen, Heil und Leben denen, die den Weg seiner Einigung innehalten. Zu7 denen aber, die von seinem Wege weichen, kommt 1 אור נגה, nach Prov 418. Wie aus der Fortsetzung folgt, meint er damit aber vor allem den in der Merkaba-Vision Jecheskels 1, 4 erwähnten ״Lichtglanz“, und zwar in der Nüanee, wie ihn die alten kabbalistischen Kommentare zu diesem Vers verstehen: der נגה wird dort allgemein als eine der 4 Hüllen קלפות aufgefaßt, die nach diesem Vers die Welt der göttlichen Potenzen umgeben, und durch die die prophetische Vision erst hindurchdringen muß. (Dies ist auch die Meinung des Sohar). Übrigens heißt ״Thron des Glanzes“ כסא הנגה eine der Potenzen, die in der Literatur des prövenzalischen Ijun-Kreises die Merkaba-Welt erfüllen. In נגה mischen sich Gnade und Gericht. 2 Jenes absolute gute Licht, von dem Gen 14 spricht. 3 אור בהיר, wieder ein (aus Hiob 3721 entnommener) Begriff der ältesten kabbalistischen Licht-Symbolik, der übrigens aus Saadja stammt. Die Unterschiede dieser Grade, wie . sie dem Autor offenbar vprschweben, sind uns nicht mehr bekannt. In der alten Literatur ist das Urlicht von Gen 14 eben jenes Or bahir. 4 אור מזהיר ist in der Literatur des Ijun-Kreises eine Art Astrallicht, in dem die prophetischen Visionen erscheinen (so auch hier weiter unten המזהיר זוהר המראות), vergl. das von mir in Kitbe jad be-Kabbala gedruckte Stück aus einem alten Merkaba-Kommentar (vor 1250) S. 209 unten. 5 Auch dies ein in den kabbalistischen Schriften sehr häufiges Symbol. 6 Das Licht, das das letzte Ziel der Gedanken ist. 7 Der Satz ist sehr schwierig. Das מן ist vielleicht, wie oft im arabisierenden Hebräisch des Mittelalters, partitiv zu verstehen: zu dem Anteil derer, die abweichen, gehört das אור המתעלם. Dann müßte freilich des gleichen Satzbaus wegen eigentlich auch der vorhergehende Satz in seiner Eröffnung מכבוד שלימותו ebenso aufgefaßt werden, was dort sehr Monatsschrift, 78. Jahrgang 33