Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 509 (sequence 18)
- Language
- German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 509 Grundbegriff einer Magie der Innerlichkeit darstellt, die aus streng mystischen Konzeptionen hervorwächst. Das zauberische Licht, in dem die Kawwana in dem bedeutendsten Stück, das wir überhaupt in der kabbalistischen Literatur über sie besitzen — dem weiter unten mitgeteilten Text — den Weg des Betenden erhellt, ist von tiefer Zweideutigkeit. Die vollste Beschreibung, die wir über den Weg und das Wesen der Kawwana erhalten, ist zugleich die Beschreibung der innerlichsten Magie, die die geheimen Welten bezwingt — und der Weg von da bis zur äußerliehen, praktikablen Magie ist nicht so weit! Der dialektische Charakter der Kawwana kommt erst hier zur Geltung. Die Grundvorstellung hierbei ist, daß die mystische Intention sich trotz allem doch mit gewissen Anliegen des Betenden vertragen könne, und in der Vereinigung mit dem göttlichen Willen sich solcherart nicht nur die mystische Kawwana oder Intention ,,erfülle“, sondern zugleich auch jene Intention auf ein bestimmtes Anliegen. So stellt den Sinn der Gebetserhörung durch rechte mystische Kawwana sehr eindringlich und ausführlich schon der bedeutende spanische Kabbalist Josef Gikatila (um 1300) in seinem Einleitungswerk Scharre Ora dar1. Was bei Isaak dem Blinden die ,,Potenzen“ waren, erscheint hier durchweg im Symbol und der Terminologie der Gottesnamen. Die Kawwana rekurriert auf den ,,Namen“ in den Worten des Gebets, und steigt zu immer tieferen Namen, Potenzen und Sefiroth-Welten hinab, bis zum Namen ,,Ich bin“ •,־־,אד״יד der den ״Ort“ des Unendlichen (En Sof) bezeichnet. Jener Ort aber, an dem die Kawwana in die innerste Manifestation Gottes eindringt (die gerade bei Gikatila aber mit dem Wesen des En Sof identifiziert wird — bei Anderen bleibt hier eine Scheidung), heißt ,,die Quelle des Willens“ und wer bis hierher gelangt, dessen Gebet wird erhört. Jener innerste Punkt, den die Kawwana zu durchstoßen hat, damit die Quelle des göttlichen Willens auf bricht, sich ״öffnet“ und über den Betenden sich ergießt, wird als der Buchstabe Jod im Tetragrammaton bezeichnet, an dem angelangt, die Versenkung die Ebene des Ausdrucks und der Sprache verläßt, um in den 1 Ed. Offenbach 1715 fol. 40b ff., wo auf das Gebet der Hanna in I Sam 2 exemplifiziert ,wird.