Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 508

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
Date
1934-01-01
Page
Seite 508 (sequence 17)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830005-2839136--53004-2839187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

508 Gerhard Scholem ־ IV. Dieser Begriff, der Käwwana nahm frühzeitig eine eigene Note an, als man in ihr — leicht verständlicher Weise — ein Kriterium der besonderen Gottgefälligkeit des Gebets und daher eine Bürgschaft seiner Erhörmig sah. Hier beginnt in das Beten der Mystiker ein magisches Element einzudringen, das sich allmählich mit verstärkter Macht zur Geltung bringt. So wenig es berechtigt war, den im genaueren Verstände mystischen Charakter der Kabbala zu vernachlässigen, um ihre Abstrusitäten hervorzuheben, so wenig darf die Forschung in den entgegengesetzten Fehler verfallen, jene starken magischen Tendenzen zu übersehen. Ist doch im Grunde die Geschichte der Kabbala, von innen gesehen, eben die der nie beendeten Auseinandersetzung, freundlicher und feindlicher, zwischen diesen beiden Grundhaltungen des Mystikers und Magiers, die nicht nur in verschiedenen Strömungen innerhalb der Kabbala ihren Ausdruck gefunden haben, sondern sich oft in der Person des einzelnen Kabbalisten aufs seltsamste begegnen oder durchdringen1. Die in vielen heute einflußreichen Werken über Mystik (wie denen von Evelyn Underhill oder Georg Mehlis) behauptete absolute Scheidung dieser zwei Typen verfehlt für weite Gebiete der historischen Erscheinüngsformen der Mystik, keineswegs für die Kabbala allein, durchaus die wirkliche Sachlage und kann nur mit großen Ein- Schränkungen verwandt werden. Viel leichter schlägt die absolute Hingebung, Passivität und Selbstentäußerung des Mystikers zu Zeiten auch in derselben Person in die angebliche Selbstbehauptung, den Stolz, die Aktivität und demiurgische Anmaßung des Magiers um, als man nach den Ausführungen jener Autoren annehmen würde2. Einer der Hauptpunkte aber, an denen solcher Umschlag für uns am deutlichsten faßbar wird, ist die kabbalistische Konzeption der Kawwana, die sich bei manchen Kabbalisten als der 1 Sie begegnen sich z. B. in Cordovero und durchdringen sich in Isaak Lurja. 2 Die Lehre Abulafias von der Meditation über, den Namen Gottes (חכמת הצירדף) diente der Kabbala des 14. bis 16. Jhdts. zugleich als Anleitung zur Ekstase und als theoretische Grundwissenschaft der ״praktischen Kabbala“, der Magie, ohne daß solch Widerstreit der Motive je geschlichtet worden wäre!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.