Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 507 (sequence 16)
- Language
- German
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Der Begriff der . Kawwana in der alten Kabbala 50? aber besteht darin, seinen Sinn von allen fremden Gedanken zu entleeren, die körperliche Begierden sind . . . und er stelle Betrachtungen an über das Intelligible, und nicht über das Manifest1 und denke sich selbst, als ob er vor der himmlischen Schechinä stünde, und seine Begierde und seine Seele seien mit dem himmlischen König verbunden, und er vernichte alle Sinnes-Empfindüngen in sich2, um mit dem himmlischen Licht verbunden zu sein“. Hier ist also das charakteristische Moment der mystischen Sammlung zur Kontemplation3 ausdrücklich in den Begriff der Kawwana einbezogen: die systematische Ablösung von den eigenen Affekten und Begierden und die ausschließliche Hinwendung zum höchsten Gut, dem ,,himmlischen Licht“, unter: radikaler Aus- Schaltung der Sinnesempfindungen und der von ihnen genährten Vorstellungen4. So ist aus der Definition des Maimonides un- Versehens eine streng mystische geworden, deren Kontrast zu der früheren dem Autor dann aber doch zum Bewußtsein gekommen sein muß, da er sie als die ,,wahre“ Kawwana jener andern gegenüberstellt. Nur erschöpft sich in dieser allgemeinen Bestimmung des kontemplativen Charakters der Begriff der Kawwana, auch für den Autor des Or sarua selbst, noch keineswegs, sondern es tritt dazu eben noch jene genauere Bestimmung ihres sprachlichen Charakters, die im vorigen Abschnitt besprochen würde. Es handelt sich hier um zwei verschiedene Momente und Grade: der eine betrifft Kawwana als. V o r b e r e i t u n.g zum.:Gebet, der andere Kawwana als den mystischen Vorgang im Gebete selbst. Beide zusammen erst geben den vollständigen Begriff dessen, was die alten Kabbalisten unter diesem Wort verständen. 1 Ein aus der philosophischen Literatur sehr geläufiger Gegensatz, wobei die Kabbalisten unter . מפורסמות freilich nicht immör dasselbe verstanden wie die Philosophen, nämlich ״Evidentes“, , sondern z. T. einfach die Wahrnehmungswelt. . ..2: Oder auch wörtlich: ״lösCsichabvon {יבסלעצמו-מן) allen Sinnesempfindungen“. 3 Vergl. bei Heiler S. 291 und folgende. 4 Die systematische Entleerung der Seele von Vorstellungen : spielt eine große Rolle in der Theorie der Kontemplation bei Abraham Abulafia und seiner Schule.