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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 506

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
Date
1934-01-01
Page
Seite 506 (sequence 15)
Language
German
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506 Gerhärd Scholem des Altars in ihrem Herzen; und dann vereinigen sich aus dem reinen Denken (der Kontemplation) heraus alle Sefiroth und verbinden sich miteinander, bis sie zum Quell der unendlich erhabenen Flamme hinangezogen werden“1. Das Schüren des Feuers, statt auf den Brandaltären, im eigenen Herzen und sein Hinaufschlagen bis zum Quell der göttlichen Flamme — das scheint mir in der Tat eine ,sehr gültige Formulierung dessen zu sein, was die Kabbalisten zur Aufstellung der Lehre von der mystischen Kawwana im Gebet getrieben hat. Wie leicht übrigens der Übergang von einem unmystischen Begriff der: Kawwana zu einem mystischen sein konnte, zeigt am deutlichsten wohl die klassische Definition der Kawwana als einer der Vorbedingungen des Gebets überhaupt, die Maimonides in seinem großen Halacha-Werk gibt2: ,,Kawwana“ bedeutet, das Herz (den Sinn des Betenden) von allen Gedanken zu entleeren und sich so betrachten, als ob man vor der Schechina stünde. Daher ist es angemessen, eine Weile vor dem Gebet (ruhig) zu sitzen, um den Sinn zu sammeln (,,auszurichten“) und dann erst in Gelassenheit3 4 zu beten“. Ein großes kabbalistisches Werk ג über die Gebetsmystik, der Or sarua des David b. Jehuda Chassid (eines Enkels des Nachmanides, um 1300)2 leitet denn auch seine Bestimmung des Kawwana-Begriffes mit dieser Definition ein (übrigens ohne ihre Quelle anzugeben), fährt dann aber sogleich mit einer Nüancierung ins Mystische fort:5 ,,Die wahre Kawwana 1 In einer alten kabbalistischen Homilie, Hs. Berlin Or. Qu. 833 fol. 98 a. Die Hauptstelle lautet im Original: והצדיקים והחסידים ואנשי מעשה מתבודדים ומיחדים את השם הגדול ית' ומאחזין את האש במדורת בית המוקד בלבותם ואז מתוך המחשבה ״ .הטהורה התאחדו כל הספירות ויתקשרו זו בזו עך המשכם ער מעין השלהבת שאין סוף לרוממותוDer Quell der unendlich erhabenen Flamme“ ist ein in sehr alten Schriften der provenzalischen Kabbalisten (des Ijjun-Kreises) mehrfach gebrauchtes Bild. . 2 Mischne Tora, Hilchoth Tefilla XV, 16. Cf. Sanhedrin 22 a: המתפלל יראה עצמו כאלו שכיבה. כנגדו ♦ 3 Hebräisch: בנחת. 4 Vergl. über das Buch Marmorstein in dieser Monatsschrift 71־, S. 39 ff. und meine Ausführungen in Kirjath Sefer IV, 320 ff. 5 Hs. Brit. Museum, Margol. Nr. 771, fol. 5 b: אבל הכוונה האמתית שיפנה לבו מכל המחשבות הנכריות שהן תאוות גופניות ♦ ♦ ויסתכל במושכלות ולא במפורסמות ויחשוב עצמו כאלו הוא עומד לפני השכיבה העליונה ויהא תאוותו ונפשו דבוקה במלך העליון ויבטל עצמו מכל הרגשותיו כדי שידבק באור העליון ♦

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