Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 505 (sequence 14)
- Language
- German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 505 in den alten selbst die Keime jener neuen zu entwickeln.1 So leistete die Kawwana für ein verwandeltes Verständnis der religiösen Aktion im Gebet (später der religiösen Aktion überhaupt) dasselbe, was auf einer andern Ebene und mit andern Mitteln das Symbol, und die symbolische Exegese für ein verwandeltes Verständnis der Tora und der Quellen der Offenbarung überhaupt leistete. Es scheint mir an dieser Stelle keineswegs überflüssig zu betonen, daß diese Untersuchung ־ den wirklichen religiösen Sinn und Gehalt des Begriffes der Kawwana erst einmal auch wirklich verstehen will, keineswegs aber seine Verteidigung oder Verwerfung beabsichtigt. Solches Verständnis aber lassen die in unserer wissenschaftlichen Literatur sehr beliebten und weitverbreiteten, zum Teil sehr׳ heftigen, Verwerfungen und Verurteilungen der Kawwana freilich nur allzu sehr vermissen1. Es entspricht der mystischen Idee der Kabbalisten von der Natur des Gebets, wenn sie auch die alte talmudische Definition des Gebets als עבודה שבלב ,,Gottesdienst im Herzen“ in mystischer Prägnanz verstanden, und unter Benutzung der Bedeutung von עבודה als Opferdienst im Tempel etwa Äußerungen wie die folgenden sich finden: ,,Seit der Zerstörung des Tempels ist ihnen nur der große Name (Gottes) geblieben. Und die Gerechten und Frommen ziehen sich in die Einsamkeit zurück und vollziehen die Einung des großen Namens, und schüren das Feuer in der Brandstätte 1 Ich gehe in dieser Arbeit nicht auf die Entwicklung der Kawwana in der späteren lurjanischen Kabbala ein. ]Der lurjahische Kawwana• Begriff enthält noch einige neue Momente, die in dieser Arbeit gar nicht zur Sprache kommen. Andererseits ist das Verständnis des alten Kawwana- Begriffs auch für ihn grundlegend. Es ist gerade die hypertrophische und extreme Entwicklung der lurjanischen Kawwana-Lehre (wiederum nicht nach ihren theoretischen Begründungen, die — wie ich wohl sagen darf• — keiner gelesen hat*; sondern nach ihren drastischen Erscheinungsformen im Druckbild der späteren Gebetbücher), die die heftige Verwerfung und feindselige Beurteilung der mystischen Kawwana überhaupt hervorgerufen hat. In ihr begegnen sich die .wissenschaftlichen Vertreter; einer1 ״geläuterten“ Religion aller Richtungen von der Orthodoxie A. Berliners über die Graetzsche Schule bis zur linken Reform Enelows. Die Epitheta ״hirnverbrannt“ (Graetz) und ״unverständlich“ (nämlich dem Außenstehenden — als ob das ein Einwand wäre) sind in diesem Zusammenhang sehr oft anzutreffen,