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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 503

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
Date
1934-01-01
Page
Seite 503 (sequence 12)
Language
German
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503 Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala haben muß, beweisen auch die Ausführungen des Kabbala-Gegners Meir ben Simon aus Narbonne, der um 1235 berichtet, die Kabbalisten seiner Zeit und Gegend hätten die Kawwana auf die erste Ursache (עלת כל העלות) im Gebet geradezu als unmöglich und verwerflich erklärt, worüber er sich sehr entrüstet1, III. Ganz auf dieser Idee der Kawwana als einer systematischen Versenkung in den göttlichen Willen und angestrebten Vereinigung mit ihm beruht der (ungedruckte) ,,Kommentar" des Esra ben Salomo in Gerona zu den Gebeten, der eher als eine Sammlung von MeditationsVorschriften zu charakterisieren wäre. Bei diesem Schüler Isaaks ist das ,,Denken" Gottes als das Medium der unio schon durch den ,,Willen" ersetzt. Dies tritt öfters hervor, am drastischsten etwa, wenn er zu dem Gebet יהי רצון am Beginn des Morgengebets (aus Berachoth 16k) bemerkt2: ,,Die die Wahrheit erfassen (d. h. die Mystiker), sprechen dies Gebet nicht. Denn sie selber steigen auf von Wort zu Wort, bis sie zum innersten Willen gelangen. Wie es heißt (2. Chron 2012): wir aber wissen nicht, was wir tun sollen. Das bedeutet: nachdem wir die Worte bis zum Aufhören des Wortes (zum Wortlosen, wörtlich : zum Nichts des Wortes), gelenkt haben, können wir nichts mehr hinzutun". Diese kühne Formulierung und Kritik entspricht ganz der oben analysierten Anschauung. Jene individuellen Bitten, die den Inhalt des von ihnen abgelehnten Gebetes ausmachen, verlieren für die Mystiker ihren Sinn3. Das Hin- 1 Vergl. die Stelle aus der Parmaer Hs. des ס׳ מלחמת מצוה in der Bialik־Festschrift S. 148. 2 In den Hss. Parma (Stern 46) fol. 67 a und Cambridge Dd. 4, 2, 3, fol. 3 a lautet das Original: משבילי האמת אין אובלרין יהי רצון לפי שהם מתעלץ מדבר לדבר-עד שיגיעו עד הרצון הפנימי שב׳ ואנחנו לא נדע מה בעשה כלומר אחר שחדרבנר הדברים עד אפס דבר לא נוכל להוסיף. In der Hs. Parma ist der Passus עד שיגיעו עד הרצון verderbt, steht aber richtig in der zweiten Hs. 3 Vergl. F. Heiler, das Gebet, S. 308: ״Das Bitten um die Erfüllung selbstsüchtiger Wünsche widerspricht auch dem mystischen Ideal der absoluten Gleichförmigkeit mit Gottes Willen“. Heiler führt hier einen Vers des Dschelal eddin Rumi an, der ganz genau die Intention Esras trifft: Beten: ach, Herr, wende dies Verhängnis ab, fürwahr Sünde gegen den ist, der es gab. Genau das ist aber der Inhalt des Gebetes יהי רצון, das Esra verwirft!

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