Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 502 (sequence 11)
- Language
- German
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Gerhard Scholem 502 Kawwana-Begriffes, der dann die Kabbala des 13. Jahrhunderts beherrscht, noch andere Stadien vorausgegangen sein müssen, geht aus einem alten und zweifellos authentischen Zeugnis über eine Kontroverse des Vaters Isaaks des Blinden, des berühmten Abraham ben David (Rabed) hervor1. Die Echtheit jenes Zeug-, nisses folgt schon daraus, daß sein Inhalt der im 13. Jahrhundert herrschenden Kabbala durchaus widerspricht, und mir kein einziger Falk bekannt ist, in dem die Kabbalisten ein Interesse an der Erdichtung oder Fälschung von Traditionen bewiesen hätten, deren Inhalt von ihrer eigenen Vorstellungswelt abwich. Jene erwähnte alte Tradition kontrastiert die Ansichten des R. Jakob Nasir und des Rabed über die Kawwanoth des Schmone- Essre-Gebetes, und hier hält R. Jakob Nasir noch, im Unterschied zum Rabed und seinem Sohn, an direkten Kawwanoth auf die ,,erste Ursache“ selbst fest2 * * — den Ausdruck En Sof kennt jene Tradition noch nicht. In der ganzen Literatur der Kabbala des 13. und 14. Jhdts. über Gebetsmystik findet sich keine solche Kawwana mehr, und kann sich unter der Herrschaft des hier dargelegten Begriffs von Kawwana auch nicht finden. Wie sehr der Begriff sich seit dem 12. Jahrhundert gewandelt 1 Über die völlige Verfehltheit von Groß5 Unternehmen, die Kabbala aus der geistigen Welt des Rabed hinauszueskamotieren (in seinem Aufsatz: ״Die Mystik des Rabed“, Monatsschrift 1874, S. 164 ff.), brauchte angesichts des uns heute bekannten Materials kein Wort mehr verloren zu werden. Jener Aufsatz ist geradezu der Schulfall einer Hyperkritik, die das Kind mit dem Bade ausschüttet. "Über das ausdrückliche Zeugnis seines eigenen Sohnes Isaak in dessen authentischem Brief an Nachmanides vergl. meinen Aufsatz in der Bialik-Festschrift S. 152. 2 Hs. Oxford 1646 fol. 116 b: ראשונות 'X קבלת ר יעקב הנזי ר ז״ל וג׳ אחרונות לעלה שבעלות ואמצעיות ליוצר בראשית» קבלת הר״ו אברהם ז " ל ג׳ ראשונות וג/ אחרונות לבינה ואמצעיות ביום לתפארת בלילה לביבה כלם. In der Hs. Brit. Museum Margol. 755 fol. 85 b ist die Autorschaft der beiden Traditionen gerade umgekehrt. Die Terminologie der Gegenüberstellung von עלת העלות und.יוצר בראשית tritt in der Tat auch bei Abraham ben David an einer berühmten Stelle auf, was aber wenig für die Autorschaft entscheidet, da beide Zeitgenossen und. miteinander befreundet waren, ja auch in nächster Nachbarschaft gelebt haben dürften (Posquieres und Lunel). Für die Lesart der Hs. Oxford spricht, daß Isaak, der Schüler seines Vaters, sicher ■gerade eben diese Kawwanoth zur שמנה עשרה angegeben hat, zudem direkte Kawwanoth ja theoretisch ablehnt.