Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 9)
- Language
- German
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500 Gerhard Scholem den einzelnen Gebetsteilen1 sich ankündigenden, den Mystikern ״überlieferten“ Potenzen richtet, in der er in der gesammelten Besinnung aufs Wort das ״Urwort“ findet, und in ihm den An- Schluß an die unendliche Bewegung des göttlichen Denkens selber, in der er bis zum En Sof sich erhebt2. Es ist kein Zweifel, daß hier, in der mystischen Auffassung der Kawwana des Gebets, die jüdische Form der unio mystica, des Grundaktes der Mystik, erscheint: das was von solcher unio einem j üdischen Mystiker allein lebendig werden konnte. Denn dies ist natürlich keine Vereinigung der Wesenheiten von Gott und Mensch, sondern der ״Kurzschluß des Willens“ (so möchte ich diesen Vorgang nennen), der durch die Kawwana herbeigeführt wird. Das Gebet in seinem festgelegten Wortlaut ist jenen alten Kabbalisten die kostbare Einfassung, in der die Perle einer Gotteserfahrung ruht, einer echten ״unio per voluntatis cönformitatem“, die durch die Kawwana realisiert wird. Die Kawwana ist also ein Prozeß, in dem Meditation über die göttlichen Dinge im Gebet erfolgt: in ihr geht das Begrenzte in das Grenzenlose über, schließen beide aneinander an. Indem der Gedanke des Menschen sich im Gebet bis zum Äußersten von allem Fremden und Ablenkenden reinigt, wird er so fähig, in den ״Gedanken“ Gottes einzügehen. Es scheint mir, wenn man diese Unterscheidung überhaupt sinnvoll zu finden vermag und zulassen will, daß die von Isaak beschriebene kontemplative Denkbewegung — er nannte diese Haltung nach Berichten seiner Schüler3 die ״ מחשבה ד,דבקהdas im Anschluß 1 Die von Isaak überlieferten speziellen Kawwanoth beziehen sich meistens auf ganze Sätze der Gebete (vergl. auch die gedruckte!Rezension in Scliemtob ibn Gaons Kether schem tob, ediert in מאור ושמש Livorno 1839 fol. 35 b—36 b). Aber schon in dem Gebetkommentar seines Schülers Esra ben Salomo werden die Kawwanoth der Hauptgebete im Wesentlichen für einzelne Worte angegeben. 2 Jenes Sicher heben des reinen Denkens zum Unendlichen ist vielleicht mit der katholischen!Formel vom Gebet als elevatio mentis ad deum, als dvaßaau; voD ׳jupoc; 8־sdv zusammenzustellen, in der F. H e i 1 e r (Das Gebet, 2. Aufl. S. 291) ״dieEigenart des mystischen Gebets treffend bestimmt“ findet. 3 Isaak von Akko in Me’irath Enajim Hs. München 17 fol. 140 b: שמעתי מפי הכם ירא שמיס שראה החסיד הרב ר׳ יצחק בן הראב״ד ז״ל ששימש לפניו שאמר כי זה החסיד מימיו לא ראו עיני בשרו מאומה וכאשר רצה ללכת בשום מקום היה: אומר לתלמידו ההולך עמו כאשר נגדע סמוך לעבודה זרה מהר פסיעתך כאשר תוכל• וכל זה היה עושה מדעתו לכבור השם ירד שהיתר, מחשבתו דבקה בו ומפני רוח הטומאה השוכן על הע״ז היה צריך להפסיק מחשבתו