Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 5 · p. Seite 498

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 5
Article
Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
Date
1934-01-01
Page
Seite 498 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830005-2839136--52994-2839177
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

498 Gerhard Scholem die Potenz des (göttlichen) Wortes* 1 und der Buchstaben nicht zu erfassen, sondern nur ihre (der Sprache) Potenz selbst2. Und es gibt keine Potenzen außerhalb der Buchstaben3. Und alle erhabenen4 Potenzen sind übergeben, um über sie zu meditieren5. Denn jede Potenz (stammt)6 aus einer Potenz über ihr, und sie sind Israel übergeben (oder: überliefert), um aus der Potenz, die im Herzen (des Betenden) erscheint, zu meditieren, bis zum Unendlichen hin (bis zum En Sof) zu meditieren. Denn7 es ist kein anderer Weg zum (wahren) Beten als der, daß der Mensch durch die begrenzten Worte (ins reine Denken) hineingenommen wird8 und im Denken sich zum Unendlichen (En Sof) erhebt“. erfaßbar, sondern kann nur von der Versenkung in die Potenz des mensehliehen Wortes aus erfaßt werden. Dies scheint mir noch am ehesten eine annehmbare Interpretation der Stelle zu sein, die auch ihrem sonstigen Gedankengang entspricht. 1 דיבור bedeutet in allen Texten Isaaks des Blinden stets das g ö-t t - liehe Wort, auch ohne weiteren Zusatz. 2 Also eine niedrigere Potenz. 3 Die Buchstaben sind teils die Potenzen selbst, teils das Medium und die Organe, durch die sie allein wirken, und in denen sie sich realisieren. 4 D. 11. göttlichen. Andere Lesart in Hss.: ״ הנראותerscheinenden“, was nicht schlecht zur Fortsetzung paßt: von den untern, dem Herzen sichtbaren Potenzen steigt die Meditation zu den oberen und verborgenen auf. 5 התבונן ist der eigentliche Terminus technicus der alten Kabbala für ״meditieren*% vergl. Monatsschrift 71 (1927) S. 118. 6 Lesart der vaticanischen Hs.: ״füllt sich“. Das Wort ist in den späteren Hss. einfach ausgefallen. 7 Dieser entscheidende Schlußsatz fehlt gerade in der Vatican-Hs., ist aber nicht nur durch den Gedankengang, sondern auch durch seinen charakteristischen hebräischen Sprachgebrauch als authentisch gesichert. 8 Dieses Wort מתקבל ist eine der charakteristischsten Vokabeln in Isaaks mystischem Lexikon, und außerhalb seines Kreises nicht mehr gebräuchlich. Es kommt im Jezira-Kommentar sehr häufig vor, und scheint ein Synonym des mystischen Terminus ״ ינקan etwas oder aus etwas saugen“ zu sein, der die innigste Beziehung zweier Potenzen ausdrückt. (Der דרך יניקה steht bei ihm höher als der דרך ידיעה). Z. B. דבר המצטייר והמתקבל מהמקום אשר הוצב משם oder הויות המושגות המתקבלות בהתע־־ותן. Genau wie an unserer Stelle kommt die Verbindung מתקבל ומתעלה hier noch einmal zur Erklärung des Wesens der צפייה, der geistigen Schau, vor: הצפייה היא שכל סבה וסבה מתקבלת ומתעלה וצופה מסבה עליונה ממנה. Sehr prägnant ist in diesem Sinne auch der Gebrauch des Wortes in der allgemeinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.