Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 497 (sequence 6)
- Language
- German
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497 Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala des Gebetes bei den Worten des Textes (Kap. I, 8) ,,verschließe dein Herz, daß es nicht grüble“. Ich bemühe mich> die sehr schwierige Stelle genau zu übersetzen, wobei ich den von Isaak nach dem Vorgang des Buches Bahir1 gebrauchten Terminus Mid da, in dem sich die Bedeutungen ,,Eigenschaft“, ,,Hypostase“, ״Manifestation“, ״Modus“ des Unendlichen, Gottes, treffen, mit ״Potenz“ übersetze. Die Stelle lautet2: ״Daß es nicht grüble — über das was dem Denken verborgen ist, da es sonst in Verwirrung gerät3. Denn (nur) aus dem, was er erfaßt, vermag er auch das, was er nicht erfassen kann, zu erkennen. Und dazu sind die Potenzen entstanden4. Denn die Sprache erfaßt nur, was aus ihm (?) kommt5, denn der Mensch vermag 1 Vergl. meine Übersetzung zu § 92. 2 Ich'lasse die Stelle im Original nach der Hs. Cincinnati S. 30—31 folgen. In der Hs. der Vaticana fehlen ganze Zeilen. Einige wichtige Varianten hieraus habe ich in Klammern zugefügt. מלהרהר מן הנסתרות מן המחשבה פן יטרד כי מתוך מה שהוא משיג יכול להכיר מה שאינו משיג ולכך בעשר המרות• שאין הלשון [ Vat.; משיג אלא מה שהוא בא ממנו שאין אדם משיג מדת הדבור והאותיות אלא מדתה בעצמה [עצמה [Vat.: ואין חוץ מן האותיות מדות• וכל המדות הנוראות נמסרו להתבונן [להתבונן מתוך מדה שבהן ונמסרו לישראל להתבונן מתוך המדה [Vat. fügt hinzu: כי כל מדה ממדה שהיא למעלה [מתמלאה הנראית בלב להתבונן עד אין סוף• כי אין דרך להתפלל אלא על ידי הדברים המוגבלים אדם מתקבל ומתעלה במחשבה עד אין סוף ♦ 3 D. h. das geistige Gleichgewicht verliert. In diesem Sinne wird נטרד oft gebraucht. 4 Als Vermittlung zwischen dem Eaßbaren und Unerfaßbaren. 5 Schwierig. Wenn ״ לשוןSprache“ hier maskulin konstruiert wäre, was an sich möglich ist, so würde ממנו heißen können: ״was aus ihr kommt“, d. h. aus der Sprache selbst. Dann ist aber der Wechsel des Genus in der Fortsetzung, wo das feminine מדתה בעצמה sich im Zusammenhang des Satzes auf nichts anderes beziehen kann als auf לשון, recht rätselhaft, wenn auch solch Genus Wechsel im selben Satz in mittelalterlichen Hss. keineswegs unmöglich ist. In diesem Fall läßt sich aber der Satz mit mindestens gleichem Recht auch noch anders übersetzen, nämlich: ״denn die Sprache erfaßt nur das, woraus sie kommt“ מה שהוא [הלשון] בא ממנו. Dann wäre der Gedanke immerhin verständlich, denn das, woraus die Sprache herkommt, ist eben ihre innere Wurzel, ihre Potenz. So erklärt ja Isaak (zum Anfang des Buchs) das mystische Wesen der Buchstaben אותיות ähnlich, unter Anspielung auf die zweite Bedeutung des Wortes ״ אותיותdas Kommende“ (Jes 4123 u. ö.) als הדברים הבאים מסיבתם, als die Wesenheiten, die von ihrer Wurzel oder aus ihrem Urgrund herkommen. Die Potenz des göttlichen Wortes wäre dann freilich unterschieden von der des menschliehen; was aber in der Tat Isaaks Gedanke ist. Sie ist nicht unmittelbar Monatsschrift, 78. Jahrgang 32