Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala 495 wird in all jenen Schriften klar, ob auch im Gebet selbst diese Zahlenmystik einen Ort, etwa in bestimmten Meditationen, hatte, und was eigentlich der genaue Sinn solcher etwaigen Reflexionen auf den Zusammenhang der Gebete mit gewissen Gottesnamen oder andern Dingen (Formeln, Bibelversen von gleichem Zahlenwert) war. Zu einem besonderen Kawwana-Begriff ist es in diesem Kreis aber, soweit ich sehe, nicht gekommen. Die einzige Stelle, an der der Gegenstand der Kawwana innerhalb der religiösen Begriffe der Mystik der deutschen Chassidim bezeichnet wird, findet sich bei Eleasar von Worms (um 1200). Hier1 heißt es, daß die Kawwana bei den Benediktionen auf das geht, was hier die ,,Heiligkeit“ Gottes heißt (im Gegensatz zu seiner ,,Größe“), die die gestaltlose und aller Form entrückte ,,Herrlichkeit“ Gottes ist2. Diese gestaltlose Heiligkeit Gottes ist es, in die das Gebet sich versenkt — was in seiner Bedeutung verständlich wird, wenn wir gleich dahinter lesen, daß diese ,,Heiligkeit“ zwar keine Gestalt, wohl aber Stimme hat (ganz im Sinn von Dt 412 gedacht: ,,ihr habt keine Gestalt gesehen, nur Stimme“). Die Heiligkeit, die קול ודיבור, göttliche Stimme und göttliches Wort ist, ist hier der Gegenstand der Besinnung und Versenkung in der Kawwana3. Dies scheint in der Tat schon einen tiefmystischen Begriff von Kawwana zu bedeuten, der dem der Kabbalisten eng verwandt ist. Das Wort des Menschen visiert in seiner reinsten Gestalt, im Gebet, das Wort Gottes an, oder um die exaktere Terminologie der Wortbedeutung von Kawwana selbst zu gebrauchen, ist auf dieses Wort Gottes ,,ausgerichtet“. Das begrenzte menschliche Wort sucht in den Worten des Gebets Anschluß an das unendliche göttliche. Hier bezeichnet also die 1 In Eleasars שערי הסוד והייחוד ed. Jellinek, in כוכבי יצחק Heft 2 ל (1862) S. 13. Die Stelle ist Enelow, der a. a. O. S. 9ל ff. über die deutschen Chassidim spricht, entgangen. לכל יראי ה׳ יש לכוין כשהם מברכים ברוך ה׳ ומשתחוים ומודים ומכונים בלבם לאותו קדושתו 2 לבדו שהוא כבודו בלא דמות וצורה רק קול ודיבור . 3 Auf den Charakter dieser Logos-Spekulationen der deutschen Chassidim gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein, wo ich mich auf die Frage nach, der Matur der Kawwana beschränke. Wir haben es hier mit einer mystischen Umdeutung des saadjanischen Begriffs der Herrlichkeit oder des heiligen Geistes (in seinem Jezira-Kommentar) zu tun.