Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Begriff der Kawwana in der alten Kabbala
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 494 (sequence 3)
- Language
- German
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494 Gerhard Scholem Offenbarungen des Josef Taitazak in Saloniki und ähnliches. In einer Reihe von Arbeiten habe ich mich seit langem bemüht, solche Dokumente, die für die Würdigung gerade des mystischen Charakters der Kabbala mit entscheidend sind, zugänglich zu machen. In der folgenden Arbeit glaube ich ein besonders kostbares Zeugnis dieser Art vorlegen zu können. In seinem Aufsatz ,,Kawwana, the Struggle for Inwardness in Judaism" hat H. G. Enelow den Begriff der Kawwana im jüdischen Schrifttum zu interpretieren unternommen1. Er hat auch zu zeigen versucht, wie der allgemeine Begriff der Kawwana im späteren Judentum, der Begriff einer ,,sustained devotion throughout the prayer"2, in der Kabbala eine mystische Färbung und Bedeutung annimmt. Daß ihm damals die aufschlußreichsten Zeugnisse über das Wesen der Kawwana als mystischer Ver- Senkung im Gebet unbekannt und unzugänglich waren, ist begreiflich. Gerade der Sohar gibt für die Bestimmung des Begriffs, den die Kabbalisten des 13. Jahrhunderts mit dem Wort Kawwana ,,Intention" verbanden, wenig her. Es tritt das besondere Neue an der Kawwana der Kabbalisten nicht so deutlich und scharf hervor, wie das in andern alten Quellen noch der Fall ist. Die Lehre von besonderen Meditationen und einer besonderen Versenkung im Gebet, einem Weg, den der Mystiker in solcher Versenkung ins Wort durchmißt, gehört zu den wesentlichen Bestandteilen der kabbalistischen Tradition schon bei ihrem ersten Auftreten in der Provence um 1200. Zweifellos besteht hier ein direkter historischer und sachlicher Zusammenhang dieser kabbalistischen Kawwana-Konzeption mit den ,,Geheimnissen des Gebets", die den deutschen Chassidim des 12. Jahrhunderts aus alten Quellen überkommen waren. So viel wir über die Art dieser ,,Geheimnisse" zahlenmystischer Natur auch aus einer großen Literatur von Kommentaren zu den Gebeten wissen, so wenig 1 In der Festschrift: Studies in Jewish Literature issued in honor of Prof. Kaufmann Köhler; Berlin 1913 S. 82—107. Vergl. auch B u her, die chassidischen Bücher S, 149—156. Eine Dissertation von L. Bre s lau e r über den Gegenstand (Kiel 1921) ist mir nur in einem (wertlosen) Auszug bekannt. Die holländische Arbeit von Wensinck war mir unzugänglich. 2 a. a. O. S, 86.